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Wenn die Emotion den Verstand besiegt

Written by Jürgen Fischer. Posted in Gesundheit, Krankheiten, Miteinander, Seuchen, Verantwortung, Weltuntergang, Werte

Millionen Menschen sterben pro Jahr an Hunger. Laut Angaben der Welthungerhilfe, die auf Basis von Schätzungen der Vereinten Nationen (UNICEF, 2018) beruhen, sterben jedes Jahr rund 5,4 Millionen Kinder unter 5 Jahren an den Folgen des Hungers. So genau kennt man die Zahl aber nicht. Hungertote werden nicht so akkurat erfasst, wie diejenigen, die an Corona sterben.

Der Wert eines Menschen ist nicht gleich, auch wenn vielfach das Gegenteil behauptet wird. Es lässt sich beobachten, dass das Ausmaß der Betroffenheit bei einem gestorbenen Menschen in Heinsberg, den wir überhaupt nicht kennen, oder in einem anderen Ort in Deutschland höher ist als bei einem Toten in Afrika. Das geht den Afrikanern übrigens umgekehrt genauso und zwischen den Ländern Europas ist der Blickwinkel auch nicht anders. Je größer die emotionale Distanz zwischen den Menschen, umso geringer die emotionale Betroffenheit. Obwohl dieses menschliche Denken und Verhalten empirisch belegt werden kann, behaupten wir Menschen trotzdem das Gegenteil. Die Menschheit sollte es sich zur Aufgabe machen, emotionale Distanzen zu verringern.

Hinzu kommt, dass wir Risiken nicht auf Grundlage von Fakten bewerten:

  • 2019 sind bei Verkehrsunfällen 3.059 Menschen ums Leben gekommen.
  • Nach Angaben von statista.com sind im Jahr 2017 in Deutschland über 235.000 Menschen an Krebs gestorben.
  • Weltweit sterben laut Angaben des Robert Koch-Instituts jedes Jahr zwischen 290.000 bis 650.000 Menschen an Influenza.
  • An der Grippewelle 2017/2018 sind in Deutschland über 25.000 Menschen gestorben (Quelle: ebenfalls Robert Koch-Institut).
  • Wochenbericht des Robert Koch-Instituts zur Kalenderwoche 10/2020 (29.02. bis 06.03.2020): „Seit der 40. MW 2019 wurden insgesamt 145.258 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das RKI übermittelt. Bei 23.276 (16 %) Fällen wurde angegeben, dass die Patienten hospitalisiert waren. […] Seit der 40. KW 2019 wurden insgesamt 247 Todesfälle mit Influenzavirusinfektion übermittelt.“ (die angegebenen Zahlen beziehen sich auf Deutschland)
  • Aktueller Wochenbericht des Robert Koch-Instituts zur Kalenderwoche 11/2020 (07. bis 13.03.2020): „Seit der 40. MW 2019 wurden insgesamt 165.036 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das RKI übermittelt. Bei 23.646 (14 %) Fällen wurde angegeben, dass die Patienten hospitalisiert waren. […] Seit der 40. KW 2019 wurden insgesamt 265 Todesfälle mit Influenzavirusinfektion übermittelt.“ (die angegebenen Zahlen beziehen sich auf Deutschland)
    Das entspricht einem Anstieg von 20.000 Influenca-Infizierten und 18 Toten in nur einer Woche.
  • […]

Die Liste ließe sich weiter verlängern. Wenn unsere Emotionen uns erst einmal im Griff haben, sind wir für Fakten nicht mehr zugänglich. Menschen können Risiken nur schlecht einschätzen.

Als Besonnenheit bezeichnet man „die überlegte, selbstbeherrschte Gelassenheit, die besonders auch in schwierigen oder heiklen Situationen den Verstand die Oberhand behalten lässt, um vorschnelle und unüberlegte Entscheidungen oder Taten zu vermeiden.“ (wikipedia.org). Für die Leser, die dem Autor gerne alles Mögliche und Unmögliche unterstellen, sei angemerkt, dass Gelassenheit selbstverständlich nicht mit Gleichgültigkeit oder völliger Entspannung gleichzusetzen ist. Es geht um eine innere Ruhe und eine innere Einstellung, verbunden mit der Fähigkeit, vor allem in schwierigen Situationen die Fassung oder eine unvoreingenommene Haltung zu bewahren.

Mit Blick auf das Coronavirus sollten wir uns mit der Frage auseinandersetzen, wie wir die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen am besten schützen und wie wir dabei trotzdem weiter unsere Handlungsfähigkeit aufrecht erhalten können.

Vor dem Hintergrund der oben nur auszugsweise skizzierten Zahlen sollten wir uns mit der Frage beschäftigen, wo unsere Energie reingesteckt werden sollte. Ich habe keine Antwort darauf, erachte die Frage aber als bedeutsam, weil der aktuell hohe Energiestrom in Verbote und Einschränkungen zumindest fragwürdig ist (bspw. gibt es keine Forschungsdaten zu weitreichenden Ausgangssperren (Christian Drosten), insofern ist die Wirksamkeit nicht geklärt) und weit größere Herausforderungen hierdurch nicht gelöst werden. Wichtig bei der Beantwortung dieser Frage ist zugleich auch die Frage nach der Finanzierung. Wir verringern aktuell unsere finanziellen Möglichkeiten erheblich und voraussichtlich mit einer hohen Langzeitwirkung. Allerdings werden wir finanzielle Mittel benötigen, um mit genau solchen Herausforderungen umzugehen.

Von: Jürgen Fischer -