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Das Statistikgehirn kommt gerade aus dem Denken nicht heraus.

Written by Jürgen Fischer. Posted in Gesundheit, Krankheiten, Seuchen, Weltuntergang

Im Landkreis Heinsberg, also dem Landkreis, in dem das Virus am meisten die Bevölkerung durchdrungen hat, gibt es aktuell 726 statistisch erfasste Infizierte. Alle Leser dieser Seite wissen, dass es also in realitas weitaus mehr Infizierte und auch schon zahlreiche Resistente geben muss, die die Erkrankung bereits hinter sich haben. Im gesamten Landkreis Heinsberg, der mal so nebenbei erwähnt über 250.000 Einwohner hat, werden 26 Personen stationär-isoliert in Krankenhäusern behandelt und 3 sind auf der Intensivstation. Diesen Menschen wünsche ich, wie allen anderen Erkrankten, gute Besserung!

Wie man aus diesen Zahlen sowie den Entwicklungen ein Zusammenbrechen unseres Gesundheitssystems ableiten kann, ist mir ein Rätsel. Geht es womöglich bei den aktuellen Einschränkungen um etwas ganz anderes? Über Flüchtlinge spricht man jedenfalls nicht mehr. Fridays for Future findet auch nicht mehr statt. Weiß jemand, ob es in Australien noch brennt? Wie hoch ist eigentlich die Feinstoffbelastung, daran sterben doch jedes Jahr extrem viele Menschen, hat sich da irgendwas verbessert? Wie viel Geld hat die Bundesregierung in die Krebsforschung investiert und welche Erfolge wurden erzielt? Wie weit sind wir mit der Diskussion über die mangelnde Sinnhaftigkeit eines gewinnorientierten Gesundheitssystems? Wie ist der aktuelle Stand rund um das Thema fossile Brennstoffe, hören wir mit dem Mist nächstes Jahr auf, aktuell bekommt man doch einige Dinge sehr schnell hin? Es gäbe echt wichtige Fragen.

Seit gestern darf ich – zumindest theoretisch – nicht mehr reisen. Geschäfte dürfen auch nicht mehr aufmachen, wann sie wollen. Viele Menschen werden in dieser Zeit kein Geld verdienen, weil die prekären Beschäftigungsverhältnisse stark betroffen sein werden. Den ohnehin schon geschwächten Einzelhandel schwächen wir somit nochmals. Das werden einige Unternehmen nicht überleben. Die Online-Händler suchen jetzt schon nach Personal. Es wird Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe geben und die Folgen werden äußerst negativ für uns alle sein. Die Politikergehälter laufen währenddessen in unveränderter Höhe weiter. Am Ende werden die Politiker sich auf die Schulter klopfen und sich gegenseitig zurufen, wie toll sie das gemacht haben. Denn völlig losgelöst vom Ergebnis werden sie sagen, dass ihre Maßnahmen richtig waren, und zwar unisono.

Einige Politiker sind schon mitten in der Selbstbeweihräucherung. Gestern Abend war Tobias Theodor Hans, Ministerpräsident des Saarlandes, bei Caren Miosga in den Tagesthemen. Im Interview stellte er den Zusammenschluss und die Einigkeit der Bundesländer bei den aktuellen Entscheidungen explizit heraus. Der Junge wollte scheinbar Lob für diese besondere Leistung haben. Da fragt man sich als Zuhörer, ob die noch alle Tassen im Schrank haben. Die Bundesbürger haben losgelöst von irgendwelchen Krisen die berechtigte Erwartung, dass Politik in der Lage ist, länderübergreifend zu Entscheidungen zu kommen und das auch noch möglichst schnell. Die Aussage des saarländischen Ministerpräsidenten zeigt aber, dass es sich dabei um eine besondere Ausnahme handelt. Also nichts, wofür man sich selbst loben sollte, sondern etwas, was einen zum Nachdenken bringen müsste. Aber Nachdenken ist zurzeit nicht besonders en vogue.

Bei Frank Plasbergs „hart aber fair“ war Minister Altmeier zu Gast. Der lobte alle soeben verabschiedeten Maßnahmen über den grünen Klee. Er wies auf die besondere Schnelligkeit hin, in der man die Maßnahmen verabschiedet hätte. Das habt ihr echt klasse gemacht! Bei einer seit Wochen konstanten Sterblichkeitsrate von ca. 0,2 Prozent gab es überhaupt keinen Anlass für die von euch ergriffenen Maßnahmen. Eure Maßnahmen werden mit Sicherheit zu weitaus negativeren Konsequenzen als das Virus führen. Aber ihr wollt gelobt werden und wenn ihr nicht gelobt werdet, ist das auch egal, weil ihr das schon selbst hinbekommt. Lobt euch schön weiter, von mir gibt es kein Lob, sondern deutliche Kritik!

Ein weiterer Teilnehmer der Sendung wies darauf hin, dass wir es in Deutschland so handhaben sollten, wie die Italiener. Er fand es ganz toll, wie sich die Italiener auf die Balkone stellen und gemeinsam singen. Das ist natürlich ein extrem wertvoller Ratschlag. Wir sollen es so machen, wie es in dem Land gehandhabt wird, das seit Jahrzehnten wirtschaftlich nur wenig auf die Kette bekommt und in dem das Virus sich mit am schnellsten ausgebreitet hat. Lasst uns das Virus gemeinsam wegsingen, halleluja! Da fragt man sich, welcher geistreiche Vorschlag wohl als Nächstes kommen wird.

(Liebe Italiener, seht mir die Bemerkungen bitte nach, ich finde euch und euer Land toll. Ich gehe aber davon aus, dass zahlreiche Italiener mir bei den Aussagen durchaus zustimmen.)

Zum Glück haben wir Herrn Söder, auf den ist bei guten Vorschlägen immer Verlass. Bereits gestern wies er darauf hin, dass weitere Maßnahmen nicht ausgeschlossen werden können. Aus seinem Mund bedeutet das, dass es definitiv weitere Maßnahmen geben wird. Insofern dürfen wir uns auf weitere Einschränkungen wie vermutlich Ausgangssperren gefasst machen. Aber „so what“, ich wasche mir weiter die Hände, halte ein wenig Abstand, insbesondere bei älteren Menschen, ich werde weiter reisen, meine sozialen Kontakte pflegen, mich mit anderen Menschen treffen und mich definitiv auch von einem Ausgangsverbot nicht davon abhalten lassen, auf die Straße zu gehen, wann immer mir danach ist. Demokratie braucht zivilen Ungehorsam!

Von: Jürgen Fischer -