Verbrechen

Das Internet: Hölle des Verbrechens

Written by Jürgen Fischer. Posted in Verbrechen

In fetten Lettern steht auf der Titelseite des Spiegels vom 4.7.2011 „Die digitale Unterwelt“, unterschrieben mit „Das verborgene Netz der Internet-Verbrecher“.

Ganz im Sinne der Alarm-Mache wird das Titelblatt mit neun Kästchen gepflastert, auf denen sich folgende Begriffe finden: Hacker-Angriff, Kontodaten-Pishing, Spam-Attacke, Shopping-Betrug, Web-Piraterie, Online-Erpressung, Schadprogramme, Botnet-Invasion, Passwort-Klau.

Aber das ist noch nicht erschreckend genug, Bilder sprechen mehr als 1000 Worte. Auf den Kästchen sieht der Betrachter unter anderem eine Bombe, einen Haken, eine schwarze Witwe, eine Kreissäge und einen Totenkopf. Das lässt doch die fröhliche Erwartungen nach einer neuen Horrormeldung aufkommen.

Und der Spiegel enttäuscht seine Leser nicht. Die Titelstory, überschrieben mit „Das perfekte Verbrechen“, zeigt uns die ganze Schrecklichkeit des Internets. Ein einziger Fluch, dieses Internet.

In der Einleitung spricht der Spiegel die breite Masse an. Ein Mann, Mitte 50, Taxifahrer, damit kann man sich doch identifizieren. Der Spiegel beschreibt, wie dieser arme Mann zum Opfer krimineller Machenschaften wurde. Auf der Suche nach einem Flachbildfernseher stößt er im Internet auf ein äußerst attraktives Angebot. Das Gerät, welches im Laden 1000 Euro kosten sollte, wird im Internet es zum Spottpreis von 400 Euro angeboten. Da muss man doch zugreifen.

Genau das tat unser Mittfünfziger. Sie ahnen es, Vorauskasse, und er hat überwiesen, ist doch klar. Und dann? Genau, dann kam natürlich kein Fernseher.

Unser armes Opfer. Die Cyber-Mafia hatte mal wieder zugeschlagen.

Da geht also jemand in einen dunklen Hinterhof in einer Stadt, in der er noch nie war. Dort wird ihm von zwielichtigen Gestalten ein Fernseher zu 40% des üblichen Ladenpreises angeboten. Ein Angebot, dass es auch nach intensiver Recherche sonst nirgendwo gibt. Der Mann soll das Geld in einer Tüte verpackt am nächsten Tag im Nordpark vergraben, was er natürlich genauso macht. Der Fernseher soll ihm schließlich direkt im Anschluss nach Hause geliefert werden.

Sie meinen, das wäre an den Haaren herbei gezogen? Wer so was macht, wäre ein Depp? Sie haben Recht. Im Internet machen Menschen aber genau diesen Blödsinn und verhalten sich wie Trottel.

Laut Spiegel bedient sich das Verbrechen der digitalen Revolution. „Eine neue Generation von Kriminellen baut Tatwerkzeuge, die man nicht sehen kann”. Der Spiegel phantasiert “eine Unterwelt, die nur aus elektronischen Impulsen besteht.“ Das Internet ist offensichtlich eine einzige Ansammlung von Verbrechern. Was sollen sie dagegen machen, die armen „oft ahnungslosen Internetnutzer“.

Kein Mensch käme auf die Idee, morgens aus dem Haus zu gehen und die Haustüre offen zu lassen. Im Internet lassen wir nicht nur die Türe auf, wir sagen gleich allen Bescheid, dass wir jetzt erst einmal für ein paar Wochen außer Haus sind. Dank Facebook haben wir mehrere hundert Freunde. Und die informieren wir, jeder soll es wissen. Sicherheitshalber stellen wir täglich ein paar Urlaubsfotos auf unsere Pinnwand. Als Beweis, dass wir in Urlaub und nicht zu Hause sind.

Beim Einkaufen im Netz gehen wir bereitwillig in jedem x-beliebigen Laden in Vorkasse. Das machen wir bei unserem Stadtbummel ja auch immer so. Die Schuhe, die es bei dem fahrenden Händler gab, habe ich schon letzte Woche bezahlt, die gehe ich morgen abholen, da steht der wieder an derselben Stelle auf dem Parkplatz, das hat er mir so gesagt.

Der Spiegel schreibt: „Die Täter nutzen … Waffen.“ Spiegelverkehrt sagt: Die Täter brauchen bei so viel Blödheit überhaupt keine Waffen. Es gibt offensichtlich eine hinreichend große Anzahl an Volldeppen.

Im Internet vergessen viele Menschen jegliche Vorsicht und verhalten sich, wie sie sich im traditionellen Geschäftsleben niemals verhalten würden. „Findige Trickbetrüger setzten auf sogenannte Scareware, die ängstlichen Internetnutzern vorgaukelte, ihr Computer sei mit Viren infiziert. Dann wurden die Opfer aufgefordert, eine Antivirensoftware herunterzuladen und per Kreditkarte bis zu 129 Dollar zu zahlen.“ Opfer oder Trottel?

Gibst Du mir Geld, stelle ich mich vor Deine Türe und schütze Dich. Klar, das macht doch jeder! Direkt vor der Haustüre wird die Kreditkarte durch den bereitgestellten Kartenleser gezogen und fertig. Rundumschutz garantiert.

Es wird Zeit, dass wir alle wieder mehr Verantwortung übernehmen. Wir sollten nicht nach dem Staat und Überwachung schreien und uns immer mehr Verantwortung abnehmen lassen. Als mündige Bürger sind wir für unser Tun selbst verantwortlich. Und wenn wir etwas nicht kennen oder bedienen können, dann müssen wir die Bedienungsanleitung lesen. Und wenn wir uns nicht zurecht finden, dann brauchen wir einen (Stadt-)Plan.

Zudem hilft, wie so häufig, die Statistik, um den verkehrten Blickwinkel des Spiegel wieder gerade zu rücken. Laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung wurden bereits im Jahr 2009 für rund 13,6 Milliarden Euro Waren im Internet gekauft. Demgegenüber steht laut Spiegel ein finanzieller Schaden in Höhe von 61,5 Millionen Euro. Wir reden also nicht einmal von einem halben Prozent!

Spiegelverkerht wirft einen Blick auf die anderen 99%.

Marlene, Anfang dreizig, junge Mutter, arbeitet als Assistentin in einer Unternehmensberatung. Marlene ist ständig auf der Suche nach günstigen Flug- und Übernachtungsmöglichkeiten für die Geschäftsführung. “Dazu benutze ich immer das Internet. Hier finde ich tolle Angebote. Die Preise sind oftmals noch viel günstiger als die Kosten für eine Autofahrt.” Der Geschäftsführer des Unternehmens, in dem Marlene arbeitet, ließ uns wissen, dass sie bereits seit über einem Jahrzehnt Reisebuchungen im Internet vornehmen würden und das hätte bis dato immer einwandfrei funktioniert.

Das kann ich nur bestätigen. Meine Lebenspartnerin kauft seit Jahren mit Begeisterung Schuhe im Internet. Ich habe Urlaube gebucht, ein Fahrrad erstanden, leckeren Wein und unzählige Bücher gekauft – nicht ein einziges Mal bin ich betrogen worden. Im Gegenteil, alles lief hervorragend und ich konnte Produkte, die mir nicht gefielen problemlos gegen Rückerstattung des Geldes wieder umtauschen.

Ich finde das Internet toll!

Ich freue mich auf möglichst zahlreiche positive Erfahrungsberichte zu Ihren Internetkäufen.

Und nein, auf dieser Seite geht es nicht um das eine Prozent, das nicht funktioniert. Hiermit können Sie sich gerne an andere Zeitschriften wenden. Die anderen 99% sind herzlich Willkommen!

Von: Jürgen Fischer -