Statistikkritik

Wie kommt unsere Regierung aus der Nummer wieder raus?

Written by Jürgen Fischer. Posted in Statistikkritik

Die Sterblichkeitsrate des Coronavirus liegt auf Basis der Zahlen des Robert Koch-Instituts, das nach eigenen Angaben quasi das amtliche Wahlergebnis liefert (Diesen absoluten Wahrheitsanspruch hat übrigens Prof. Dr. Lothar H. Wieler in einer seiner Pressekonferenzen höchst persönlich verlauten lassen!), bei zurzeit (Stand 29.03.2020) maximal 0,7 Prozent. Warum maximal? Weil diese Zahl nur stimmen würde, wenn alle Infizierten statistisch erfasst worden wären. Das ist aber nicht der Fall. Vielfach hat man Aussagen gehört, dass die Anzahl der Infizierten vermutlich 10 Mal so groß wäre, aber genau weiß das keiner. Allerdings ist sie de facto um ein Vielfaches größer, weil wir nur einen kleinen Teil überhaupt statistisch erfassen, und somit ist die Letalität um ein Vielfaches kleiner.

Wir leben schon lange damit, dass ein bestimmter Anteil der Menschen an Viren stirbt. Wir werden ebenso damit leben müssen, dass ein sehr kleiner Anteil am Coronavirus oder mit diesem Virus stirbt. Die meisten Verstorbenen hatten schwere Vorerkrankungen und insofern ist ein hoher Anteil mit und nicht an dem Virus gestorben. In Deutschland sterben pro Jahr ca. 950.000 Menschen und pro Monat knapp 80.000 Menschen (Basisjahr 2018, Quelle de.statista.com). In den letzten 2 Monaten sind in Deutschland laut Angaben des Robert Koch-Instituts ca. 400 Menschen am Coronavirus gestorben. 0,5 Prozent aller Sterbefälle sind somit laut den bisher vorliegenden Zahlen auf das Coronavirus zurückzuführen.

Die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen wirken bisher offensichtlich nicht. Die Anzahl der Infizierten steigt kontinuierlich weiter. Unter Einrechnung der Inkubationszeit von ca. 10 Tagen hätten sich seit Mitte letzter Woche positive Auswirkungen zeigen müssen. Daher wollte der Chef des Robert Koch-Instituts auch am Mittwoch in seiner Pressekonferenz etwas zu einem vermeintlich positiven Trend sagen. Konnte er aber nicht. Und weil er nichts sagen konnte, hat er die Pressekonferenz am Freitag überraschend ausfallen lassen. Kann man machen, fällt aber auf, zumindest einigen.

Wir können Folgendes festhalten: Es ist nicht erkennbar, dass Einsperren und Unternehmensschließungen irgendetwas an den Zahlen verändert haben.

Das ist für unsere Regierung natürlich doof. Daher will man nun unbedingt viel mehr testen. „Das Testen und Isolieren der infizierten Personen“ wird nun als wichtigste Maßnahme gegen das Virus angesehen. Wie in den letzten Wochen üblich, wird wieder einmal schnelles Handeln gefordert. Details stehen wohl in einem Strategiepapier namens „Wie wir Covid-19 unter Kontrolle bekommen“.

Damit will man die Epidemie aufhalten, wird zumindest lauthals verkündet. Das ist schon per se grober Unsinn, weil man durch Tests rein gar nichts aufhalten kann und das mit dem Isolieren offenkundig bisher auch nicht viel gebracht hat. Mit mehr Tests wird man lediglich feststellen, dass weitaus mehr Menschen infiziert sind. Das wissen aber alle heute schon.

Zudem schlagen die Tests in der Inkubationszeit nicht direkt aus. Es kann daher sein, dass eine Person, die heute virusfrei getestet wird, ein paar Tage später Viren verteilt. Mehr Tests ändern daran nichts, es sei denn, man würde bei jedem Menschen in kurzen Zeitabständen Testreihen durchführen. Allerdings reichen die Testkapazitäten zurzeit schon nicht für mehr Tests und somit erst recht nicht für Testreihen.

Es ist nicht auszuschließen, dass hinter dem Vorschlag, mehr zu testen, politische Interessen stehen. Aktuell sorgt die Politik in vielen Branchen für eine Marktbereinigung, wenn man es denn positiv betrachten möchte. Zahlreiche Unternehmen und Einzelunternehmer werden Corona nicht überleben. Die großen Online-Unternehmen werden gestärkt, die sind nur leider nicht bei uns ansässig und zahlen hier auch kaum Steuern, unser Einzelhandel und weitere Branchen werden geschwächt. Daran ändern auch die aktuellen Unterstützungsmaßnahmen nichts.

Der Aufschrei aus der Bevölkerung und vor allem auch der Widerstand aus der Wirtschaft wird mit zunehmender Dauer der Einschränkungen lauter werden. Insofern braucht die Politik Argumente dafür, dass das von ihr angerichtete Desaster die einzig mögliche Handlungsoption war, sozusagen alternativlos. Dabei ist rein gar nichts alternativlos, es gibt immer Alternativen, die findet man nur doofer als diejenige, die man schlussendlich gewählt hat. Selbstverständlich hätte es auch beim Coronavirus einige Handlungsalternativen gegeben.

Wie bekommt Politik gute Argumente, wenn die Letalität nicht zu den ergriffenen Maßnahmen passt, wenn die bisher ergriffenen Maßnahmen nicht oder kaum wirken, wenn die mit den bisher ergriffenen Maßnahmen verbundenen Nachteile für die Bevölkerung und Wirtschaft so groß sind, dass der Widerstand wächst und vermutlich bald exponentiell ansteigt?

Die Antwort des Innenministers scheint in folgende Richtung zu gehen: Wir brauchen mehr nachgewiesene Infizierte, damit die Bürgerinnen und Bürger verstehen, dass wir – wie immer – alles richtig gemacht haben. Und wie bekommt man mehr Infizierte? Genau, man testet ganz einfach mehr!

Selbstverständlich findet ein solcher Plan parteiübergreifend Zustimmung. Einerseits können alle ihre Maßnahmen rechtfertigen, andererseits muss man den Bürgern zeigen, dass man handelt. Man muss halt irgendwas tun.

Wir haben in Deutschland je nach Quelle 50.000 bis 60.000 statistisch erfasste Coronafälle seit Januar 2020. Da wir nur einen kleinen Teil statistisch erfassen, sind es also ein paar 100.000 Infizierte. Wenn man mehr testet, wird man logischerweise auch mehr finden. Dabei kann es dann sogar sein, dass die Gesamtzahl der wirklich Infizierten zwischenzeitlich sinkt, von mir aus von 600.000 auf 550.000. Wir würden dieses Absinken gar nicht merken. Wir würden mit einer erhöhten Anzahl an Tests nur mehr infizierte Menschen finden und könnten so immer weiter nach oben zählen. Wir zählen schließlich ohnehin nur weiter nach oben. Es wäre ja auch Quatsch, die Gesunden wieder abzuziehen, dann würde die Gesamtzahl irgendwann nicht mehr größer. Das kann aktuell kein Politiker brauchen.

Die Zeitdauer, bis man wieder gesund ist, scheint in den Statistiken mit mehreren Wochen kalkuliert zu sein. Bei den Gesunden kann ich, zumindest bis jetzt, das exponentielle Ansteigen, was es bei den Infizierten gab, noch nicht erkennen. Die entsprechende Kurve muss aber ebenso exponentiell steigen, wie sie bei den Neuinfizierten angestiegen ist. Irgendwann holen die Resistenten dann auf. Aber solche Überlegungen darf man zurzeit eigentlich gar nicht anstellen, weil man sodann direkt in die Ecke derer gesteckt wird, die das immer noch nicht verstanden haben, die den Ernst der Lage nicht verstehen usw.

Wir können festhalten, dass mehr Tests insbesondere für die Politik gut sind. Denn dann kann man das wahre Ausmaß dieser Katastrophe besser darstellen und so argumentieren, dass alle politischen Maßnahmen vollkommen richtig waren. Aber das gilt für politische Entscheidungen per se, alles richtig gemacht!

Von: Jürgen Fischer -