Solidarität

Herr Spahn, Urlaubsreisen sind gelebte Solidarität

Written by Jürgen Fischer. Posted in Solidarität

Am Sonntag, 20.12., gab es im Bericht aus Berlin in der ARD (siehe hier) ein langes Interview mit Jens Spahn. In diesem Interview äußerte der Minister sich wieder einmal auch über das Reisen in Coronazeiten. Unter anderem sagte Herr Spahn, man sollte auf nicht notwendige Reisen verzichten und er ergänzte in Bezug auf einige Menschen, die zurzeit Urlaub machen, den folgenden Satz: „Da frag ich mich schon, ob diese Botschaft immer noch nicht angekommen war, dass das jetzt nicht gerade die richtige Zeit für Urlaubsfernreisen ist“.

Lieber Herr Minister Spahn, es geht Sie einen feuchten Kehricht an, wann und wohin Menschen in Urlaub fahren. Diesbezüglich zählt nicht Ihre persönliche Meinung, die Sie als solche kenntlich machen sollten, sondern die Rechtslage und die ist eindeutig. Es gilt weiterhin die Reisefreiheit und man darf sogar in Risikogebiete verreisen.

Ohnehin ist es in den meisten Ländern weniger wahrscheinlich an Covid-19 zu erkranken als in Deutschland. Alle bisherigen Veröffentlichungen des Ihnen unterstellten RKI zeigen, dass die Positivenquote bei Reiserückkehrern seit jeher geringer ist als in der Gesamtbevölkerung. In den meisten Urlaubsgegenden trifft man kaum auf Menschen und somit können die Hygiene- und Abstandsregeln deutlich besser eingehalten werden, als dies bei uns der Fall ist.

Oder mit anderen Worten: Wer in Coronazeiten in Urlaub fährt, verhält sich äußerst solidarisch.

Er verringert das Ansteckungsrisiko in Deutschland und unterstützt zugleich die von der Pandemie sehr stark betroffenen Urlaubsregionen. Also eine echte Win-Win-Situation, die sogar zum Triple-Win wird, weil man in den Urlaubsregionen endlich einmal Platz und Ruhe genießen kann.

Hingegen ist es keineswegs solidarisch, wenn Sie, wie Sie das ebenfalls am gleichen Tag mehrfach geäußert haben, für Deutschland mal eben ein paar Millionen Impfdosen nachordern, die Sie anderen Ländern damit wegnehmen.

Insofern, lieber Herr Minister, fangen Sie erst einmal selbst mit dem solidarischen Verhalten an. Allerdings machen Sie dies im privaten Umfeld schon. Im vergangenen Jahr haben Sie den früheren Pharmamanger Markus Leyck Dieken zum Chef-Digitalisierer im Gesundheitswesen ernannt, wobei Sie kurz zuvor von ihm eine Wohnung in Berlin gekauft hatten. Der Tagesspiegel überschreibt Ihre Solidarität wie folgt: „Wie Jens Spahn einen alten Freund in einen Top-Job holte“ (siehe hier).

Als Minister sollten Sie nicht Ihre eigenen Interessen und Ihre Meinung in den Vordergrund stellen. Ihr Auftrag ist es, den Menschen ein Vorbild zu sein und unsere Grundrechte zu verteidigen, dazu zählt eben auch die Reisefreiheit – diese Botschaft haben Sie offenkundig noch nicht richtig verstanden oder es interessiert Sie schlichtweg nicht.

Von: Jürgen Fischer -