Pleiten und Konkurse

E.on hat eine Unternehmenskultur – 11.000 Mitarbeiter werden bald davon befreit

Written by Jürgen Fischer. Posted in Pleiten und Konkurse

Im Spiegel 43/2011 auf Seite 76 steht: „Äußerst ruppige Gangart. … Gewerkschaft und Aufsichtsrat sind über die Härte des Konzernchefs empört.“ Der E.on-Chef Johannes Teyssen will laut Spiegel in den nächsten Jahren bis zu 11.000 Arbeitsplätze abbauen. Glaubt man Teyssen, geht es dabei um das Überleben des Konzerns. Sein Kernargument ist natürlich der Atomausstieg. Damit konnte ja nun auch kein Mensch rechnen. Erst Recht kein Top-Manager eines Energiekonzerns.

Kurz zur Erinnerung Herr Teyssen. Bereits im Jahr 2000 hatte die rotgrüne Koalition mit Stellvertretern Ihrer Zunft, also den Top-Managern der Energieversorger, in einem Abkommen den Atomausstieg vereinbart. Die Nutzung der Kernenergie in Deutschland sollte geordnet beendet werden. Ende 2001 wurde das Atomgesetz vom Bundestag beschlossen und im April 2002 trat es in Kraft. Das “Gesetz zur geordneten Beendigung der Kernenergienutzung zur gewerblichen Erzeugung von Energie” beinhaltet u.a. eine Laufzeitbefristung der Atomkraftwerke (AKW) auf 32 Jahre seit Inbetriebnahme sowie definierte Reststrommenge und danach das Abschalten aller Kraftwerke.

Profitgier

Profitgier

Erst im Jahr 2010 wurde die von schwarzgelb beschlossene Laufzeitverlängerung im Gesetzgebungsverfahren bestätigt. Danach erhöhen sich die Laufzeiten der älteren bzw. jüngeren Atomkraftwerke um 8 bzw. 14 Jahre. Aufgrund des Vorfalls in Fukushima wurde die Laufzeitverlängerung in 2011 wieder rückgängig gemacht.

Im Jahr 2011 beschließen Sie mit der Begründung des Atomausstiegs, dass 11.000 Arbeitsplätze abgebaut werden müssen. Sofern dies so ist und dem E.on-Konzern das Wasser bis zum Hals steht, ist dies keine Folge eines plötzlichen Atomausstiegs. Es ist de facto eine Folge der Ignoranz des E.on-Managements in den letzten 10 Jahren. 10 Jahre, in denen sich der Konzern nicht auf den angekündigten und beschlossenen Ausstieg vorbereitet hat. 10 Jahre, in denen E.on nicht mit Hochdruck und voller Konsequenz in alternative Energien investiert hat. 10 Jahre, in denen man davon überzeugt war, dass man die Politik im Griff hat.

Wieder einmal sind wir beim Thema Verantwortung angelangt. Wer soll für die Schlamperei des Top-Managements die Verantwortung übernehmen? Klar ist, das Top-Management jedenfalls nicht. Laut Spiegel-Bericht kann Herr Teyssen „noch kein konkretes Konzept vorlegen, wie er die angepeilten Milliarden tatsächlich einsparen will.“ Aber Teyssen war nicht untätig, „rund 50 bis 60 mögliche Projekte habe man identifiziert. Wie genau die aussehen, welche Mitarbeiter wo betroffen sein sollen und wie viel Geld damit einzusparen ist, könne man jedoch erst im zweiten Quartal des nächsten Jahres sagen.“

E.on hat Unternehmenswerte, die kann jeder auf der Internetseite www.eon.com in der Rubrik Unternehmenskultur nachlesen. Der neugierige Leser erfährt, dass „unsere Werte und Verhaltensweisen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter … im Alltag leiten“.

Der erste Unternehmenswert ist „Integrität. Wir sind aufrichtig und ehrlich. Wir folgen den Gesetzen und handeln nach ethischen Grundsätzen. Wir kommen unseren Verpflichtungen nach und übernehmen persönlich Verantwortung für unser Handeln.“

Passt gut, oder. „Wir“, das sind die circa 11.000 Mitarbeiter, die persönlich die Verantwortung übernehmen, zwar nicht für ihr Handeln, aber so eng darf man das vermutlich nicht sehen.

Nächster Unternehmenswert ist „Offenheit. Wir sind aufgeschlossen für neue Ideen und Veränderungen. Wir sind ehrlich im Umgang miteinander und tauschen unser Wissen und unsere Erfahrungen untereinander aus.“

Die 11.000 Mitarbeiter sind sicherlich aufgeschlossen für die vielen tollen Ideen und Veränderungen, die in den rund 50 bis 60 Projekten noch im Verborgenen versteckt sind.

Danach folgen „Vertrauen und gegenseitiger Respekt. Wir gehen fair und anständig miteinander um. Wir vertrauen unseren Kollegen und verhalten uns selbst vertrauenswürdig.“

Ja, wenn das nicht fair und anständig ist, was der Herr Teyssen da macht. „Wir verhalten uns selbst vertrauenswürdig“, ja klar, natürlich, absolut, vollkommen, ohne jeden Zweifel, Herr Teyssen. Sie leben die Werte Ihres Konzerns auf einzigartige und unnachahmliche Art und Weise vor.

In jedem Fall haben Sie Mut, so lautet denn auch der nächste Unternehmenswert. „Mut. Wir handeln nach unseren Überzeugungen. Unsere gemeinsamen Werte haben Vorrang vor Eigeninteressen. Wir tun und sagen das, was wir für richtig halten, und fördern konstruktive Kritik.“

11.000 Arbeitslose

11.000 Arbeitslose

Hier landen Sie gleich mehrere Treffer. Sie beweisen Mut, in jedem Fall fördern Sie durch Ihr Handeln Kritik. Ich bin zudem sicher, dass Sie von dem, was Sie tun, vollkommen überzeugt sind. Unsicher bin ich mir, ob die gemeinsamen Werte – ich erinnere an die 11.000 – wirklich Vorrang vor Eigeninteressen haben. Das müssten Sie bitte noch einmal prüfen.

Der Wertereigen schließt mit „Gesellschaftlicher Verantwortung. Wir zeigen Verantwortung für unsere Kollegen, Kunden und Lieferanten sowie für unsere Umwelt und die Gesellschaft, in der wir leben und arbeiten. Dort wo wir tätig sind, wollen wir die Lebensqualität verbessern. Dabei haben wir das Ziel, eine nachhaltig gesunde und sichere Umwelt zu schaffen. Wir nehmen Rücksicht auf die Bedürfnisse der heutigen Generation. In gleichem Maße nehmen wir unsere Verantwortung für künftige Generationen wahr.“

Vermutlich hängen die Werte und Leitlinien in allen Konzerngesellschaften in den Foyers, auf Hochglanzplakaten in den Sitzungs- und Besprechungszimmern und sind in einem tollen und bunten Flyer niedergeschrieben, der allen Mitarbeitern zum Einstieg bei E.on in die Hand gedrückt wird. Vielleicht müssen sie von den Mitarbeitern auch auswendig gelernt werden.

Und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im E.on-Konzern werden denken, dass die da oben eben diese Werte und Leitlinien endlich selber einmal lesen sollten. Genau, lesen sollten, denn vor dem Leben von Werten und Leitlinien steht zunächst das Lesen. Und vom Leben sind Sie, Herr Teyssen, offensichtlich so weit entfernt, dass Sie die Werte nochmals oder vielleicht auch erstmals lesen sollten.

Unternehmenskultur beginnt und endet bei der Unternehmensleitung. Der Fisch stinkt nicht nur sprichwörtlich vom Kopf. Es existiert eine hohe Korrelation zwischen der Bewertung der Unternehmenskultur in einem Unternehmen und der Bewertung des Top Managements, beides korreliert wiederum in hohem Maß mit Mitarbeiterengagement und Loyalität. Wenn Sie so weiter machen, holen Sie die Deutsche Bahn mit einem Anteil von70% unzufriedenen Mitarbeitern locker ein.

Gesellschaftliche Verantwortung beginnt da, wo der einzelne Verantwortung für sein Handeln übernimmt. Verantwortungsvolles Handeln ist das Resultat der Übernahme persönlicher Verantwortung!

Von: Jürgen Fischer -