Pleiten und Konkurse

55 Milliarden Euro gefunden und keiner war es schuld!

Written by Jürgen Fischer. Posted in Pleiten und Konkurse

Ich suche mich bekloppt und finde keinen Cent. Meine Kinder habe ich ebenfalls aufgefordert, mal in alle Ecken zu gucken. Meine Partnerin sucht nun auch schon seit ein paar Tagen mit. Jeden Winkel unseres Hauses haben wir uns vorgenommen. Nix zu finden, aber auch wirklich gar nichts. Gut, ein bisschen Staub an der einen oder anderen Stelle, aber: kein Geld.

In Gesamtdeutschland läuft es besser als bei mir zu Haus. Urplötzlich haben wir 55 Milliarden Euro weniger Schulden. Anstatt sich wie Bolle zu freuen, schiebt man sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Würden Sie nach dem Schuldigen fragen, wenn Sie plötzlich so viel Geld finden würden?

Na gut, Sie haben ja Recht. So etwas darf nicht passieren. Aber warum regen wir uns auf, die Verantwortung übernimmt doch schon lange keiner mehr. Weder in der EU noch in Deutschland.

Die Hypo Real Estate (HRE) war pleite. Macht nix, dann springt halt der Staat ein. Der Pleiteladen wird verstaatlicht. Jetzt haben wir alle die Schulden der HRE-Bänker am Hals. Schulden verteilt man ohnehin besser auf viele Schultern, das ist das neue Motto, das ist Zeitgeist. Die Griechen haben das schnell erkannt. Hat bei denen auch gut funktioniert, die Hälfte soll ihnen erlassen werden.

Vor einem Jahr hat der Bund die Darlehen und die fiesen Wertpapiere der HRE an eine Bad Bank ausgegliedert und die öffentlich-rechtliche Abwicklungsanstalt (FMS Wertmanagement) gegründet. Damit hat das Finanzministerium so etwas wie eine eigene Filiale. Leider können die Damen und Herren dort nicht ganz so gut rechnen. Zumindest im vorliegenden Fall haben sie übersehen, dass den Forderungen aus Sicherheiten auch Verbindlichkeiten aus Sicherheiten gegenüber stehen.

Sie und ich, eigentlich alle, wir wissen, dass man Forderungen und Verbindlichkeiten saldiert. Wenn Sie von mir 100 EUR bekommen, aber gleichzeitig noch 50 EUR Schulden bei mir haben, dann bekommen Sie nur 50 EUR von mir.

Das haben die bei der Bad Bank nicht so gemacht. Stattdessen hat jeder einzelne Posten die Bilanzsumme vergrößert und zwar auf 55,5 Milliarden EUR. In der Presse war gleich zu hören, dass die Damen und Herren bei der FMS viel um die Ohren haben. Die haben richtig was zu tun, da können Fehler passieren. Das trifft auf meine Zustimmung. Wo gehobelt wird, da fallen Späne und ein Fehler kann jedem unterlaufen. Was sind schon 55,5 Milliarden EUR bei einer Bilanzsumme zum 30. Juni 2011 von 301,8 Milliarden Euro. Es geht nur um knapp 20% der Bilanzsumme, alles Peanuts, Kleinkram.

Jetzt sucht man trotzdem die Schuldigen. Schäuble, der sich an die eigene Nase packen sollte, beginnt beim Vorstand der HRE-Bad Bank FMS, Christian Bluhm. Der musste unserem Finanzminister persönlich erklären, wie es zu diesem Fehler kommen konnte. Unser Finanzminister ist offensichtlich begriffsstutzig. Schäuble wusste laut Presseberichten nämlich bereits seit Anfang Oktober von dem Fauxpas. Damit hatte er genug Zeit, um die oben skizzierten einfachen Zusammenhänge nachvollziehen zu können.

Auch die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers stehen in der Kritik; die haben nämlich die paar Milliarden bei ihren Prüfungen ebenfalls übersehen. Laut WDR 2 kassierten die Damen und Herren von PwC ein Salär in Höhe von 1,2 Millionen EUR. Für die paar Kröten kann man nicht alles so genau prüfen und schon gar nicht die Verantwortung übernehmen.

So eine Bank hat einen Verwaltungsrat. Dieser Verwaltungsrat hat, wie auf der Internetseite der FMS Wertmanagement für jeden nachzulesen, den Vorstand der FMS Wertmanagement zu beraten und seine Geschäftsführung zu überwachen. Er ist unter anderem zuständig für den Beschluss über den Abwicklungsjahresbericht, die Bestellung des Abschlussprüfers und die Feststellung der Schlussrechnung.

Mitglieder des Verwaltungsrates sind Dr. Karl Kauermann (Vorsitzender), Dr. Christopher Pleister (Stellvertretender Vorsitzender), Dr. Eckart John von Freyend, Rita Geyermann, Dr. Andreas Ricker, Bernd Giersberg (bis 21. 03.2011), Professor Dr. Harald Wiedmann (ab 22. 03.2011). Die haben allesamt auch gepennt.

Und ganz oben sitzt Schäuble, der seit Wochen von dem Fehler wusste. Aber der Schäuble war sowieso nie was schuld. Lediglich in einem sind sich alle einig: Eine lückenlose Aufklärung muss her.

Ich frage mich, warum ich mir jedes Mal so viel Mühe mit meiner Steuererklärung mache, warum ich darauf achte, dass ich bloß nichts vergesse und immer alles vollständig und korrekt angebe. Ich frage mich, warum ich in meinem Betrieb großen Wert auf eine ordentliche Buchführung lege? Ich kann es Ihnen genau sagen, wenn ich das nicht tue, bin ich dran. Ich übernehme die Verantwortung, übrigens sehr gerne, und ich handele verantwortungsvoll.

Das bringt mich auf eine Idee: Vielleicht sollten einfach wieder alle die Verantwortung für das übernehmen, was sie versaubeutelt haben. Die Griechen, der Schäuble, die von PwC, die Verwaltungsräte, der Vorstand der FMS …

Verantwortungsvolles Handeln ist das Resultat der Übernahme persönlicher Verantwortung!

Von: Jürgen Fischer -