Irrsinn Miteinander

Der Vorwurf mangelnder Solidarität geht mir auf den Nerv

Written by Jürgen Fischer. Posted in Irrsinn, Miteinander

Ständige Solidaritätsbekundungen sind Zeitgeist. Heute am 1. Mai mehr denn je. Ebenso ist es Zeitgeist, anderen mangelnde Solidarität vorzuwerfen und Menschen auszugrenzen, die nicht die Mainstream-Meinung einer schrecklichen Pandemie vertreten, die angeblich so gefährlich ist, dass sie weite Teile der Bevölkerung ausrotten wird und unser Gesundheitssystem kollabieren lässt. Solidarität ist nur dann gut, wenn man sich der Meinung bzw. Gesinnung anschließt, dass alles dem Gesundheitsschutz unterzuordnen ist, denn es geht schließlich um Leben und Tod.

Wer aus eigener Sicht höchst solidarisch ist und zugleich anderen mangelnde Solidarität vorwirft, hat den Begriff Solidarität nicht richtig verstanden und sollte es zunächst mit persönlicher Weiterbildung versuchen. Solidarität meint Zusammenhalten mit jemandem aufgrund gleicher Anschauungen und Ziele sowie das gegenseitige füreinander Eintreten. Wer anderen mangelnde Solidarität vorwirft, verkennt, dass die eigenen Ziele und Anschauungen nicht zwingend dieselben sind wie die der anderen. Er verkennt, dass die Freiheit, unterschiedliche Ziele und Anschauungen haben zu dürfen, in unseren Grundrechten und in unserer Demokratie fest verankert ist. Damit handeln viele der aktuell „höchst solidarischen“ Menschen, die zugleich regelmäßig auf die Moral verweisen, mit Blick auf unsere Demokratie und unsere Freiheiten hochgradig unsolidarisch, worüber man einmal in Ruhe nachdenken möge.

Alle vermeintlich Solidarischen, die zu Hause bleiben, sich abschotten, abends gemeinsam klatschen oder singen und was auch immer im Sinne der Solidarität machen, sollten sich fragen, was sie damit bisher erreicht haben. Es gibt bis dato keinen mir bekannten Nachweis dafür, dass mit dieser großen Solidarität bis jetzt auch nur ein einziges Menschenleben gerettet wurde, zumindest liegen hierzu bislang keine Zahlen vor. Allerdings gibt es einige empirische Nachweise dafür, dass die Ausbreitung des Coronavirus von den vielen Maßnahmen rund um den Lockdown kaum beeinflusst wurde. Oder mit anderen Worten, die Maßnahmen wirken nicht oder haben allenfalls eine geringe Wirkung!

Weiterhin erklärt ihr euch damit solidarisch, dass unter dem Label des Gesundheitsschutzes freiheitliche Grundrechte eingeschränkt werden und die Wirtschaft komplett lahmgelegt wird. Ihr erklärt euch solidarisch damit, dass unzählige Menschen ihren Job und ihre Existenzgrundlage verlieren, was extreme gesundheitliche Folgen nach sich zieht. Ihr erklärt euch damit solidarisch, dass die Selbstverantwortung des Menschen in äußerst wichtigen Bereichen abgeschafft wurde.

Ihr begründet eure Solidarität damit, dass es um Leben und Tod gehen würde. Leben ist lebensgefährlich und der Tod gehört zum Leben.

Ihr verkennt bei euren Solidaritätsbekundungen, dass die Top-Virologen und Epidemiologen sich seit Monaten ständig widersprechen und ihre Meinung so oft wechseln, wie andere die Unterwäsche. Allerdings beeinflusst das eure Solidarität nicht, vielmehr werden die sich ständig wechselnden Meinungen von Virologen und sonstigen Fachleuten nunmehr als grundlegende Merkmale wissenschaftlichen Vorgehens bezeichnet. Das ist Unsinn, aber auch das hat keinen Einfluss auf eure große Solidarität. Bei einem wissenschaftlichen Vorgehen wird die Unsicherheit oder Sicherheit einer Erkenntnis zu einem bestimmten Zeitpunkt offengelegt und es wird explizit auf die Unsicherheit der Aussagen und Erkenntnisse hingewiesen. Genau das ist aber nicht geschehen, es wurden vermeintlich absolute Wahrheiten verkündet, die sich immer wieder als falsch erwiesen haben. Aber auch diese Tatsache beeinflusst die große Solidarität gegenüber den einschränkenden Maßnahmen nicht, schließlich geht es um Leben und Tod.

Leben ist lebensgefährlich und das Leben beinhaltet ein hundertprozentiges Sterberisiko. Die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu versterben, war und ist weiterhin verschwindend gering. Das beeinträchtigt eure Solidarität aber nicht im Geringsten, der Lockdown ist aus eurer Sicht vollkommen richtig und wir müssen insbesondere die Risikogruppen schützen, da ist Solidarität für euch doch eine Selbstverständlichkeit.

Für die erklärte Solidarität spielt es keine Rolle, dass das Absinken der Fallzahlen in keinem starken Zusammenhang mit den Maßnahmen rund um den Lockdown steht. Dabei lässt sich diese Aussage statistisch und damit empirisch untermauern.

Es spielt bei der ganzen Solidarität auch keine Rolle, dass die vielfach prophezeite zweite Welle (die im Herbst kommen wird) bislang nicht eingetreten ist und die erste Welle eine sehr kleine war.

Bei den ganzen Solidaritätsbekundungen bleibt unberücksichtigt, dass unsere Regierung seit Wochen die Anzahl der Tests in erheblichem Ausmaß erhöht hat, während zeitgleich die Anzahl der Infizierten sinkt. Es gibt also gar keinen Grund für eine Erhöhung der Anzahl an Tests, es sei denn, man braucht eine Begründung für seine unverhältnismäßigen Maßnahmen, also mehr Infizierte.

Es ist für die Solidarität unerheblich, dass die Übersterblichkeit, die in den letzten Tagen gerne angeführt wird, im Zuge einer zunehmend überalterten Gesellschaft normal ist. Die Übersterblichkeit wird zunehmen und zwar völlig losgelöst von Corona!

Viele Menschen aus der Risikogruppe der älteren Menschen wollen selbst entscheiden, wie sie mit dem Risiko umgehen, aber auch das ist bei den ganzen Solidaritätsbekundungen egal. Ältere Menschen werden sogar blöd angequatscht, wenn sie ohne Vollvermummung herumlaufen. Schließlich erklärt man sich mit ihnen solidarisch, hält sich selbst an die Regeln, um sie zu schützen und dann haben die Alten doch glatt eine eigene Meinung und lassen sich ihre Freiheiten nicht verbieten.

Ich erkläre mich mit diesen freiheitsliebenden Menschen solidarisch, die selbst entscheiden möchten. Ich erkläre mich mit allen Menschen solidarisch, die auf das vergleichsweise geringe Risiko, das von diesem Virus ausgeht, hinweisen. Ich erkläre mich mit den Menschen solidarisch, die nicht die Anzahl der Verstorbenen kontinuierlich hochrechnen, sondern die das Sinken der absoluten Anzahl der Infizierten seit Wochen beobachten. Ich erkläre mich mit den Menschen solidarisch, die darauf hinweisen, dass man mit dem Coronavirus statistisch sogar etwas länger zu leben scheint als ohne. Ich erkläre mich solidarisch mit all denen, die die Maßnahmen unserer Regierung als vollkommen überzogen und unverhältnismäßig erachten. Ich erkläre mich mit den Menschen solidarisch, die anhand statistischer Daten immer wieder aufzeigen, dass die staatlichen Maßnahmen keine entscheidenden Wirkungen zeigen. Ich erkläre mich mit den Menschen solidarisch, die die negativen Konsequenzen des Lockdowns, insbesondere auch für Gesundheit und das Leben der Menschen, stärker gewichten, als dies derzeit bei politischen Entscheidungen geschieht. Ich erkläre mich mit all den Menschen solidarisch, die eine sofortige Beendigung des Lockdowns fordern. Ich erkläre mich mit den Menschen solidarisch, die der Auffassung sind, dass man den Gesundheitsschutz nicht an erster Stelle setzen darf, sondern es andere Werte, wie insbesondere unsere Freiheit, gibt und eine Abwägung erforderlich ist.

Von: Jürgen Fischer -