Kultur

„Wie man seinen Chef straflos beschimpft“

Written by Jürgen Fischer. Posted in Kultur

So lautet eine Überschrift bei Spiegelonline in der Rubrik „Wirtschaft“. „Wer seinen Chef als “Wichser” oder “Arschloch” bezeichnet, muss nicht unbedingt mit der Kündigung rechnen.“ erfährt der Leser. Hoffentlich gilt das gleichermaßen, wenn ich den Autor dieses Artikels, Matthias Bartsch, so bezeichne, was mir natürlich im Traum nicht einfallen würde. Eher vergesse ich bei seinem Namen zwei Buchstaben.

Um es auf den Punkt zu bringen, erzählt Herr Bartsch uns den Fall eines – in seiner Ausdrucksweise – asozialen Lageristen eines Verbrauchermarkts, der seinen Vorgesetzten mit eben diesen Worten tituliert hatte. Das brachte ihm, wen wundert es, eine Kündigung ein. Dagegen zog der Lagerist vor Gericht. Er gewann sowohl vor dem Arbeitsgericht Trier als auch in zweiter Instanz in Mainz. Unter anderem gab es in der Begründung einen Hinweis auf den „branchenüblichen Umgangston“.

Im Anschluss zeigt Herr Bartsch anhand einiger Beispiele auf, dass die Gerichte in Deutschland bei derselben Beleidigung sehr unterschiedlich urteilen, dass eine lange Betriebszugehörigkeit durchaus als mildernder Umstand gelten kann und dass Saufen vor der Beleidigung mit Blick auf mildernde Umstände nicht immer hilft.

Lieber Herr Bartsch, was wollen Sie uns mit diesem Artikel sagen? Wollen Sie zur allgemeinen Chef-Beleidigung aufrufen? Oder wollen Sie uns erklären, warum die Gerichte nicht einheitlich entscheiden?

Man braucht wohl kaum zu erwähnen, dass es sich bei den von Spiegelonline angeführten Urteilen um Einzelfälle handelt. Dem intelligenten Mitbürger ist sofort klar, wie solche Urteile zustande kommen. Es kommt auf das Bild an, welches Mann vor Augen hat. Schauen Sie sich nur diesen Arsch an. So bezeichnet zu werden, ist keine Beleidigung. Das ist eine Ehrung, eine Wohltat für das Auge. Für so manchen als Arsch bezeichneten Chef ist dieses Bild eine echte Aufwertung.

Die bildliche Alternative erspare ich insbesondere meinem Auge und damit – Ihr Glück – auch Ihrem. Es gibt Ärsche, die will ich nicht sehen. Bei denen wird ein „Du Arsch!“ in Richtung des Chefs definitiv zur Beleidigung.

Es kommt halt auf den Arsch an und nicht jeder Arsch ist gleich. Das erklärt einfach und für jeden verständlich, warum es bei ein und derselben Bezeichnung für den Chef zu unterschiedlichen Bewertungen kommt.

Abschließend sei bemerkt, ob nun Chefs ihre Mitarbeiter oder Mitarbeiter ihre Chefs so bezeichnen und egal, ob sie dabei nun einen schönen oder nicht so schönen Arsch vor Augen haben, eine solche Beleidigung sollte ein rechtskonformer Grund für eine fristlose Kündigung bleiben.

Von: Jürgen Fischer -