Kultur

Sprachkultur (1)

Written by Jürgen Fischer. Posted in Kultur

Da stehe ich dieser Tage an der Kasse im Lidl, habe nur zwei Teile in der Hand und reihe mich am Ende der Schlange an der Kasse ein. Wir befinden uns übrigens in Aachen. Eine nette ältere Dame steht vor mir, sieht, dass ich lediglich leicht bepackt bin und sagt: „Tuen Sie sich jerne vor mich stellen!“

Sie meint es gut mit mir und möchte zum Ausdruck bringen, dass sie mir gerne den Vortritt lassen möchte. Penibel wie ich nun einmal bin, muss ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es eigentlich heißen muss: „Tuen Sie sich ruhig gerne vor mich stellen!“ Durch das ruhig bringt man in Aachen nicht etwa zum Ausdruck, dass man etwas langsam, oder still und leise tun soll. Wenn wir das meinen, verwenden wir „heusch“.

Das ergänzende „ruhig“ ist eher eine Art der Absolution und signalisiert, dass man sich als Angesprochener von jeglichen Zwängen, in diesem Falle also des sich hinten Anstellens, lösen darf.

In diesem Sinne: „Tuen Sie sich ruhig jerne vor mich stellen!“

Von: Jürgen Fischer -