Kultur

Kennen Sie den Kollegen Heinz-Horst?

Written by Jürgen Fischer. Posted in Kultur

Vor einiger Zeit schrieb ich eine Email an die örtliche Polizeidirektion. In der Betreffzeile stand: „Kennen Sie schon den Kollegen Heinz-Horst?“ Den Namen habe ich natürlich verändert, aber ansonsten sind Ähnlichkeiten zu lebenden Personen oder realen Ereignissen natürlich gewollt. Gerne zitiere ich mich nachfolgend selbst und möchte Sie dazu einladen, Heinz-Horst ebenfalls kennen zu lernen.
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Sehr geehrte Damen und Herren,

kennen Sie schon Ihren Kollegen Herrn Heinz-Horst? Ich kenne ihn seit eben und möchte Sie daran teilhaben lassen.

Herr Heinz-Horst ist laut eigenem Bekunden in Sachen Unfallprävention tätig. Anlässlich des heutigen Blitzmarathons befand er sich heute gegen 19:00 Uhr mit einem Kollegen in seinem Wagen halb auf dem Radweg stehend auf der Wurmstraße in Lachenhausen. Ich befuhr die Straße auf dem Radweg entgegen der Fahrtrichtung, da es nur auf einer Seite einen Radweg gibt. Offenkundig war man erfolgreich und hatte einen Delinquenten, wahrscheinlich wegen Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit, angehalten. Sein Wagen stand ebenfalls halb auf dem Radweg in Fahrtrichtung. Zwischen beiden Wagen, also dem Polizeiwagen und dem des Delinquenten, waren ca. 50 cm Platz.

Ganz tolle Idee, so zu parken, schoss es mir durch den Kopf, besser hätte man sich nicht stellen können. Mir blieben 2 Möglichkeiten: Entweder Du fährst jetzt entgegen der Fahrtrichtung auf der Straße daran vorbei oder über einen weiteren Bordstein, der den Radweg vom Fußgängerweg trennt, über den Bürgersteig. Ich entschloss mich für den Bordstein und fuhr kopfschüttelnd vorbei. Das nahm Herr Heinz-Horst zum Anlass, um mir nachzurufen, ich hätte absteigen können.

„Aha, der behindert mich mit seinem Auto und ich soll absteigen Darüber sollten wir sprechen!“ Ich drehte und hielt neben seinem Wagen. Beide Herren ignorierten mich, hatten sie etwa ein (berechtigtes) schlechtes Gewissen wegen des Hinterherschreiens? Oder hatten Sie gar Angst vor einem Radfahrer? Ich hatte schließlich einen Helm auf und sah vermutlich ein wenig wie Darth Vader aus. Erst als ich nachfragte, ob er mir gerade nachgerufen hätte, dass ich absteigen solle, schenkten beide mir dann doch noch ihre Aufmerksamkeit. Offenkundig war ich bis dahin unsichtbar – ich stand ja auch nur unmittelbar neben der Fahrertür vor dem offenen Autofenster. Herr Heinz-Horst sagte, das hätte er nicht gesagt, vielmehr hätte er gesagt, dass ich auch langsamer hätte fahren können. Herr Heinz-Horst muss ein Problem mit seinem Kurzzeitgedächtnis haben, so mein Eindruck. Er hatte mir definitiv etwas anderes nachgerufen. Aber das war mir nun auch egal.

Ich machte ihn und seinen Kollegen darauf aufmerksam, dass sie wohl etwas ungünstig hier stehen würden. Herr Heinz-Horst entgegnete, dass er für Unfallprävention zuständig sei. Das war der Moment, in dem ich dachte, hier steht irgendwo eine Kamera, die verarschen dich doch. Ich wies ihn darauf hin, dass er Radfahrer in Gefahr bringen würde. Sein Kollege meinte, dass müsste ich schon ihnen überlassen, wie sie das handhaben. Offenkundig traf ich auf ein gewisses Unverständnis. Daher verdeutlichte ich, dass so ein Bordstein für Radfahrer eine Gefahr darstellen würde und ebenso der mangelnde Platz auf dem Radweg. Die beiden Herren, die ja laut eigenem Bekunden für Unfallprävention zuständig waren, interessierten sich für derartige Unfallrisiken allerdings nicht, sie wiegelten eine weitere Diskussion ab. Insofern fragte ich nach dem Namen des Unfallverhüters und seitdem kenne ich Ihren Kollegen Herrn Heinz-Horst.

Dieser erkundigte sich übrigens sogleich im Gegenzug nach meinem Namen, den ich ihm bereitwillig gab.
Sicherlich bin ich kein Fachmann in der Unfallprävention wie Herr Heinz-Horst, allerdings erscheint mir sein Verhalten nicht ganz im Sinne der Unfallprävention. Herr Heinz-Horst gefährdet nicht nur die Radfahrer, auch der Fahrer des angehaltenen Wagens muss seine Türe zur Straße hin öffnen und dies halb in der Straße stehend. Die Wurmstraße ist ziemlich stark befahren, insofern ist auch das ein erhebliches Risiko. Wenn Menschen gerade geblitzt wurden, sind sie aufgeregt und unter Umständen abgelenkt. Aber das sollte Herr Heinz-Horst als Fachmann sicherlich viel besser beurteilen können als ich. Die Unfallgefahr durch die Unfallpräventionsmaßnahmen von Herrn Heinz-Horst erscheint mir als Laien deutlich höher als die Wirkung seiner Prävention jemals sein kann.

Zumal man es im Sinne der Unfallprävention leicht hätte besser machen können. Denn nur wenige Meter weiter ist eine Bushaltestelle und da ist hinreichend Platz. Busse kommen dort nur selten. Die Autofahrer hätten gefahrlos austeigen können und Radfahrer würden nicht genötigt, weder zu irgendwelchen Ausweichmanövern noch zu sinnfreien Diskussionen mit wenig freundlichen Beamten. Nebenbei muss ich nämlich anmerken, dass Herr Heinz-Horst und sein Kollege von Freundlichkeit wenig beseelt waren, offensichtlich wollten die beiden durch mangelnde Freundlichkeit die Distanz zum Bürger aufrechterhalten. Leider schaden sie mit einem solchen Verhalten den vielen Kolleginnen und Kollegen, die sich tagtäglich erfreulicherweise wohltuend anders verhalten.
Eventuell würden Nachschulungen zum freundlichen Umgang mit Bürgern sowie auch zur Unfallprävention im Arbeitsalltag helfen.

Ich hoffe, Sie können mit meinem Feedback und meinen Anregungen etwas anfangen!

Mit freundlichen Grüßen
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Soweit meine Mail an die örtliche Polizeidirektion.

Es dauerte nur wenige Minuten, bis ich per Whatsapp ein Feedback aus der Leitstelle erhielt. Offenkundig hatte ein Bekannter von mir Dienst und er bedankte sich für meinen Beitrag zu einem lustigen Abend auch im Namen seiner Kolleginnen und Kollegen, die sich tagein tagaus mit großer Freundlichkeit um die Bürger kümmern und die es sehr bedauern, dass so mancher Heinz-Horst dem positiven Image schadet.
Kennen Sie den Kollegen Heinz-Horst?

Von: Jürgen Fischer -