Kultur

Händeschütteln zur Begrüßung

Written by Jürgen Fischer. Posted in Kultur

Die Aufregung in Deutschland ist groß und die Angst noch größer. Viele Deutsche glauben, dass die Überfremdung droht, der Islam Deutschland übernimmt und die deutsche Kultur auf dem Spiel steht. Jetzt diskutieren die in Deutschland sogar Begrüßungsrituale, das Weltall lacht sich halb tot.

Darum geht’s: Die geben einem noch nicht einmal die Hand zur Begrüßung. Das Abendland steht auf dem Spiel. So geschehen in einer Talksendung von Maybritt Illner. Der Vorsitzende der Jungen Union Paul Ziemiak wollte der muslimischen Journalistin Khola Maryam Hübsch die Hand geben und sie verweigerte ihm den Handschlag aus religiösen Gründen.

In der Presse findet man zu diesem schier unfassbaren Vorfall ergänzende Infos. So etwas sei kein Einzelfall, denn ein Vater aus Berlin wollte der Lehrerin seiner Kinder nicht die Hand schütteln. Die die warf ihm sogleich Frauenfeindlichkeit vor, worauf der Vater mit einer Klage wegen Beleidigung drohte (das so ein Unsinn überhaupt in der Presse erscheint, ist schon verwunderlich). Aber nicht nur Berlin ist in Gefahr, auch Hamburg ist betroffen. Ein Schüler wollte seiner Lehrerin nach bestandenem Abitur nicht die Hand schütteln. Mehrere Lehrer blieben der Abschlussfeier daher fern.

Der Vorsitzende der Jungen Union konstatierte bei Frau Illner: „Es gehört zu uns, dass wir uns die Hand geben, dass wir uns ins Gesicht schauen können. Das müssen wir nicht durch Gesetze regeln.“

Der kleine Klaus hat dem Kevin letztlich auch die die Hand geschüttelt, obwohl unter Einbeziehung eines Streitschlichters vereinbart wurde, dass er sich offiziell entschuldigen sollte. Der Handschlag zur Entschuldigung gehört zu uns und unserer Kultur.

Wie war das noch gleich bei der letzten Grippewelle, wurde das Händeschütteln nicht verpönt. Zur Erinnerung „Warum Sie jetzt besser unhöflich sind“ lautet die Überschrift eines Artikels im Fokus-Online vom 17.2.2016. Im Text wird es für den Vorsitzenden der Jungen Union noch schlimmer: „Nicht die Hand geben ist nicht unhöflich, sondern vernünftig.“ und „Hände sind die schlimmsten Keimschleudern.“

Und es kommt noch schlimmer für die Grundfeste unserer Kultur: „Was nur wenige wissen: Über die Hände werden rund 80 Prozent aller Infektionskrankheiten übertragen, meldet die WHO. Für Erkältung und Grippe trifft das sogar in 90 Prozent der Fälle zu.“

Die Vulkanier (Mr. Spock bei Raumschiff Enterprise ist so ein Vulkanier) wussten das schon lange. Daher wird dort zum Gruß nur eine Hand erhoben, wobei die Finger nur zwischen Ring- und Mittelfinger gespreizt werden, so dass ein „V“ entsteht. Das Zeichen bedeutet: „Lebe lang und in Frieden.“, wofür Gesundheit eine wesentliche Voraussetzung ist. In Deutschland schütteln sich alle vor jedem Meeting die Hand, in einigen Gemeinden gibt es den Handschlag des Pfarrers bei jeder Messe, Milliarden von Viren werden so in Umlauf gebracht. Manche Rituale sollte man durchaus überdenken, denken schadet nicht.

PS: Das Geläut von Kirchenglocken am frühen Sonntagmorgen stört mich übrigens seit frühester Kindheit und bewahrt mich bitte vor dem Ruf eines Muezzin 😉 Beides ist ein störender Eingriff der Religion in mein Privatleben.

Von: Jürgen Fischer -