Klimakatastrophe

Scheiß Wetter: Wir schliddern geradewegs in die nächste Klimakatastrophe

Written by Jürgen Fischer. Posted in Klimakatastrophe

Es hat den ganzen Tag nur geregnet. Zwar nicht heute, aber letzte Woche war mal wieder so ein Tag. Der letzte Dezember war extrem warm. In so manchem Garten sprießen die ersten Frühlingsblumen. Bei uns in Aachen hatten wir in diesem Winter noch nicht einen einzigen Tag Frost. Die Haselnusssträucher blühen – ganze sechs Wochen zu früh! Es gibt keinen Winter mehr.

Das Wetter, ein absolutes Dauerthema. Und es wird immer schlimmer. Dabei find‘ ich es richtig schön. Wir hatten einen tollen November, das Frühjahr war klasse. Aber laut Presse und Expertenmeinung ist alles schlimm, ganz schlimm. Nein, schlimmer noch, es ist eine Katastrophe, die da auf uns zukommt. Ach, was rede ich, nicht nur eine Katastrophe. Klimatisch jagen wir von einer Katastrophe zur nächsten. Trockenster November, wärmstes Jahr, höchste Durchschnittstemperaturen im Mai usw. Die Extreme werden extremer.

Ich freue mich mittlerweile jeden Tag auf’s Neue. Ich lebe! Ich habe gefühlte 32.465 Katastrophen überlebt und ich lebe noch immer. Ist das nicht toll?! Ich bin offensichtlich widerstandsfähiger als die meisten Polarforscher und habe die Natur eines Braunbären. Ich entkomme mehr Katastrophen als der Hauptdarsteller in Roland Emmerichs 2012. Ich bin ein Held und alle, die diese Zeilen lesen, sind ebenfalls Helden. Auch Sie haben das Unmögliche überlebt, zuerst die Schweinegrippe, dann EHEC und obendrein seit Jahren unser Wetter.

Das Wetter ist sicherlich unsere größte Bedrohung. Es hält sich seit Jahren in der Berichterstattung über alle Medien hinweg als apokalyptischer Dauerbrenner. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen bedroht uns das Wetter Jahr für Jahr mehr.

Zum Glück gibt es Wetteraufzeichnungen noch gar nicht so lange, sonst wären vermutlich schon die alten Griechen am Wetter zu Grunde gegangen.

Halbwegs systematisch und mit einer hinreichenden Abdeckung gibt es Wetteraufzeichnungen in Europa erst seit circa 150 Jahren. Die Erde gibt es seit circa 4,55 Milliarden Jahren, steht zumindest bei Wikipedia.

Ich kombiniere: 150 Jahre sind eine kurze Zeitspanne im Vergleich zu 4.550.000.000 Jahren, was, wie unschwer an der Länge der Zahl zu erkennen, ein sehr langer Zeitraum ist.

Wir haben unser Wetter also gerade einmal 0,0000033% der gesamten Erdgeschichte beobachtet. 99,9999967% der Wettererdgeschichte blieben folglich unbeobachtet. Ich bin entsetzt! Wie viele Katastrophen hat die Menschheit verpasst? Einfach nicht registriert? Welche Extreme blieben unbeobachtet?

Huch, zum Glück überlebt!

Huch, zum Glück überlebt!

Generationen haben sich vermutlich überhaupt keine Gedanken über das Wetter gemacht. Unvorstellbar, die wussten gar nicht, dass auch sie Helden waren.

Eigentlich fühle ich mich selbst gar nicht wie ein Held, nur weil ich ein bisschen Wetter unbeschadet überlebt habe. Vielleicht ist das Extreme mittlerweile schon viel zu normal für mich. Wenn ich am 3.1.2012, also an einem einzigen Tag des Jahres, das Wetter beobachte, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass an den anderen 364 Tagen das Wetter deutlich wärmer oder auch kälter ist? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass im Vergleich zu dem einen Tag „Wetterextreme“ auftreten werden?

Ja, genau: Diese Wahrscheinlichkeit geht in Richtung 100%.

Wie hoch mag vor dem Hintergrund von 150 Jahren Wetteraufzeichnung und 4,55 Milliarden Jahren Erdgeschichte die Wahrscheinlichkeit sein, dass im Jahr 2012 ein wärmster Tag oder ein wärmster Monat oder ein kältester Tag oder ein kältester Monat oder ein wärmstes Frühjahr oder die wärmste 6-Wochenperiode oder der stärkste Regen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen auftreten?

Ja, genau: Auch diese Wahrscheinlichkeit tendiert in Richtung 100%.

Was statistisch in Richtung 100% geht, wundert uns dann doch immer wieder. Außer natürlich Superhelden wie mich, für mich sind die Extreme wie gesagt vollkommen normal.

Heute war übrigens wieder ein Spitzenwetter. Es hat geregnet und heftig gestürmt und ich habe während der Arbeit ab und an aus dem Fenster geguckt und mich gefreut, dass ich drinnen gesessen habe. Ein toller Tag!

Von: Jürgen Fischer -