Irrsinn Zensur

Wenn die Logik verliert

Written by Jürgen Fischer. Posted in Irrsinn, Zensur

Es ist seit Monaten dasselbe. Wenn wir zu wenige Coronafälle finden, wird die Teststrategie geändert. Selbstverständlich laufen die Vorbereitungen auf den Herbst schon lange, ist doch logisch. Man braucht die richtige Teststrategie für die 2. Welle, die uns von Drosten und Co. schon für das Frühjahr prognostiziert wurde, die dann aber doch nicht kam. Obwohl die Teststrategie schon damals mehrfach angepasst wurde, konnten im Frühjahr einfach nicht mehr Fälle gefunden werden. Die Zahlen gingen zurück. Aber jetzt wird sie kommen, sie muss kommen.

Logischerweise leistet das RKI wie bisher seinen aktiven Beitrag. Laut RKI (siehe Situationsbericht vom 23.09. Seite 1) treten „Fallhäufungen insbesondere … in Verbindung mit Reisen bzw. Reiserückkehrern“ auf. Nur ein paar Zeilen weiter steht auf Seite 2 „der Anteil der Fälle unter Reiserückkehrern nimmt seit Kalenderwoche 34 ab“ und auf Seite 7 „COVID-19-Fälle treten besonders in Zusammenhang mit Feiern im Familien- und Freundeskreis auf. Der Anteil der Reiserückkehrer unter den Fällen geht zurück.“ Die Positivenrate bei den Reiserückkehrern lag in KW 38 bei 0,85 Prozent (siehe Situationsbericht des RKI Seite 10) und damit genau im Durchschnitt aller durchgeführten Tests. Oder mit anderen Worten, das RKI suggeriert ein besonderes Risiko durch Reiserückkehrer, welches aber in Wahrheit gar nicht gegeben ist, da die Positivenrate der Rückkehrer genau im Durchschnitt liegt. Ist logisch, oder?

Logischerweise warnt Angela Merkel ganz im Sinne der Panikmache nun vor 19.200 Neuinfektionen pro Tag rund um Weihnachten. Madame Merkel hat einfach mal kurz hochgerechnet, was einer gewissen Logik entbehrt; übrigens genauso wie die Tatsache, dass es ein Runterrechnen im Frühjahr bei abnehmenden Fallzahlen logischerweise nicht gegeben hat. Wenn die 19.200 Neuinfektionen pro Tag ein Ziel sein sollten, dann bekommen wir das natürlich hin – ist doch logisch, wir sind gehorsam. Lasst uns alle Beschränkungen aufheben, dann schaffen wir das auch schon deutlich früher. Aber darum geht es wohl eher nicht. Frau Merkel schürt Ängste und das sehr gezielt bevor sie sich mit den Ministerpräsidenten trifft, um weitere Einschränkungen zu beschließen – das will gut vorbereitet sein, ist doch logisch.

Gebetsmühlenartig wird seitens der politischen Entscheider betont, wie gut wir doch in Deutschland durch die Krise gekommen sind. Es wird suggeriert, dass dies am tollen Krisenmanagement liegen würde, was allerdings unter Verwendung auch nur eines Hauchs an Logik nicht nachvollziehbar ist. Tatsache ist, dass sich ein Zusammenhang zwischen irgendwelchen Maßnahmen und der Ausbreitung des Virus nicht nachweisen lässt. Deutschlandweit und auch weltweit wurden die unterschiedlichsten Maßnahmen beschlossen und ein eindeutiges Bild, dass die Maßnahmen wirken, kristallisiert sich weiterhin nicht heraus. Das Virus macht doch ganz einfach, was es will. Insofern zählt einzig der Glaube und nicht die Logik.

Aber selbst das ist logisch, weil Menschen sich nachgewiesenermaßen irrational verhalten. Das haben logisch denkende Forscher herausgefunden und Daniel Kahnemann hat dafür sogar den Nobelpreis erhalten. Herr Drosten erhält für Glaubensbekenntnisse, Fehlprognosen und nette Erklärungen das Bundesverdienstkreuz – logisch, oder?

Und natürlich geht es um’s Geld, auch das ist logisch. La Gomera und Lanzarote sind Risikogebiete (dort sucht man noch nach diesem Virus), Deutschland nicht, in Deutschland soll man Urlaub machen. Das erscheint nicht unmittelbar logisch, es sei denn, man schaut wirtschaftlich darauf. Wenn wir im Lande bleiben und hier Urlaub machen, dann bleibt das Geld im Lande. Und schon ist es wieder logisch.

Geld ist ein gutes Stichwort. Die Strafen für die Nichteinhaltung unsinniger freiheitsbeschränkender Maßnahmen werden sukzessiv erweitert und erhöht. Die „Nichtsolidarischen“ müssen bestraft werden, was vielen logisch erscheint. In Moskau müssen die Älteren über 65 zu Hause bleiben und erhalten dafür eine Entschädigung. Die besonders Schützenswerten werden so geschützt. Der Rest arbeitet fleißig weiter, um die Wirtschaft aufrecht zu erhalten und die Versorgung der Älteren sicherzustellen. Was ist solidarischer? Oder sollten wir fragen, was ist logischer?

Aber Fragen nach der Logik dürfen in Zeiten der Moralisierung nicht gestellt werden. Die aus moralischen Gründen höchst solidarische Bevölkerung folgt der Logik nicht. Wie viele Menschen würden wir in den kommenden Jahrzehnten vor dem Tod bewahren, wenn wir das Geld, welches wir bereits jetzt für Covid-19 ausgegeben oder verbrannt haben, anders investiert hätten und uns um die Hauptsterbeursachen auf der Welt gekümmert hätten? Logisch wäre es selbstverständlich, das Geld anders zu investieren. Aber weder in Deutschland noch in der EU folgt man der Logik.

Im Presseclub am 27.09.2020 wurde das Desaster mangelnder Logik sehr deutlich. Vertreter von WELT, Spiegel, Rheinische Post und Morning Briefing diskutierten über Corona. Die Teilnehmer vertraten mit großer Inbrunst und starken Emotionen ihre jeweilige Position. Aber genau das ist eben nicht der Auftrag einer freien Presse. Es geht nicht darum, politische oder moralische Positionen zu vertreten, für die man bezahlt wird. Eine neutrale Presse betrachtet die Dinge von verschiedenen Seiten, nimmt unterschiedliche Blickwinkel ein, eine kritische Haltung ist Grundprinzip. Andere Ansichten waren jedoch in der Diskussionsrunde nicht gestattet bzw. wurden mit vehementem Widerspruch und abwehrender Köperhaltung beantwortet. Eine Bereitschaft, andere Ansichten zunächst einmal zu verstehen, ist in unserer Presse nicht erkennbar. Unsere Pressevertreter verstehen sich als moderne Aufklärer und Retter unserer Nation, sie halten die Fahne der Moral im Sinne der Solidarität hoch. Das sorgt logischerweise für Leser, Zuhörer, Zuschauer und damit Umsatz.

Warum ist Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern vermeintlich besser durch die Epidemie gekommen? Wenn man logisch darüber nachdenkt, kann es an den in Deutschland ergriffenen Maßnahmen nicht gelegen haben. Es könnte daran liegen, dass jedes Land die Covid-Fälle anders zählt, irgendwie nach Gusto und wir in Deutschland haben halt weniger mitgezählt. Es könnte auch daran liegen, dass die Anzahl an Tests völlig unterschiedlich ist und die unterschiedlichen Zahlen einzig darauf zurückzuführen sind. Es könnte auch daran liegen, dass die eingesetzten Testverfahren nicht dieselben sind oder die Teststrategien sich sehr stark voneinander unterscheiden. Vielleicht liegt es auch am strengen Gehorsam der Deutschen. Während der freiheitsorientierte Franzose oder Brite seine Freiheit wertschätzt und verteidigt, tut der gute und anständige Deutsche ganz einfach, was man ihm sagt. Befehl und Gehorsam sind in der deutschen DNA verwurzelt. Es mag aber auch andere Gründe geben, die man mit einer gewissen Logik überprüfen könnte. Schließlich gelingt es auch mit Logik, die Nichtwirksamkeit von Maßnahmen aufzudecken und den Nachweis zu erbringen, dass Glauben und persönliche Überzeugungen die Basis der politischen Entscheidungen in den letzten Monaten waren. Alles ziemlich logisch, oder?

Laut RKI ist „der Anteil der Verstorbenen unter den seit der 30. Kalenderwoche gemeldeten COVID-19-Fällen … kontinuierlich unter 1%.“ Damit ist die Sterberate seit April deutlich gesunken. Das RKI hält es für „unwahrscheinlich, dass sich das Virus verändert hat und weniger gefährlich geworden ist.“ Das klingt durchaus logisch. Das RKI führt das vermeintliche Absinken der Sterberate auf folgende Ursachen zurück: „Zum einen erkranken aktuell jüngere Menschen, die meist weniger schwer erkranken. Außerdem wird breiter getestet.“ Da darf man kurz logisch drüber nachdenken. Wenn breiter getestet wird, nimmt die Repräsentativität zu. Logischweise war die ausgewiesene Sterberate somit im Frühjahr de facto falsch, was natürlich damals schon bekannt war. Trotzdem diente diese falsche Zahl als Entscheidungsgrundlage. Logisch erscheint das nicht, aber vermutlich liegt das nur daran, dass man rein logisch einen Zusammenhang zwischen den Zahlen und den Entscheidungen erwarten würde, den es aber offensichtlich nicht gab. Die Entscheidungsgrundlagen waren daher offensichtlich andere. Logisch betrachtet steigen die Fallzahlen aktuell also dadurch, dass breiter und mehr getestet wird. Dieser logische Zusammenhang dient aber zurzeit wiederum nicht als Entscheidungsgrundlage. So allmählich verwirren mich die ganzen Zusammenhänge bzw. fehlenden Zusammenhänge. Ausschließlich mit Logik kann man dem Ganzen nicht folgen.

Logisch, es geht hier auch um Macht. Die Verlagshäuser und Verleger jagen zurzeit die Politiker weltweit vor sich her. Corona ist hervorragend dazu geeignet, der politischen Klasse endlich einmal wieder zu verdeutlichen, dass die meinungsmachende Presse das Sagen hat. Nicht „Bild dir Deine Meinung“, sondern „Ich mache Dir Deine Meinung“. Kommunikation schafft Realität, nicht die Logik.

Ist doch logisch, oder?

Von: Jürgen Fischer -