Irrsinn

Weiß eigentlich noch jemand, warum es die Corona-Maßnahmen gibt?

Written by Jürgen Fischer. Posted in Irrsinn

Weiß der Geier, wo ich die nachfolgenden Fetzen aus Gesprächen aufgeschnappt habe. Eventuell habe ich das alles auch nur geträumt. Aber lesen Sie selbst. Es handelt sich selbstverständlich um fiktive Personen und frei erfundene Dialoge:

Franz: 800 qm, sind das nicht zu viel? Sollen wir das nicht lieber auf 400 qm beschränken? 800 qm kann doch keiner kontrollieren.

Mini: 799 qm auch nicht, oder?

Andy: Aber auf 1.000 qm kann man sich besser aus dem Weg gehen.

Experte: Wir brauchen keine Grenzwerte.

Johanna: Wir brauchen definitiv Grenzwerte, die Bevölkerung braucht klare Vorgaben und Orientierung. Wir klären das jetzt, Du bist für 800 qm und Du für 400 qm. Schnick, Schnack, Schnuck … ok, Mini hat gewonnen, 800 qm.

Experte: Ist das nicht verfassungswidrig?

Johanna: Papperlapapp, verfassungswidrig. Mit dem Infektionsschutzgesetz und unseren schönen neuen Gesetzen ist das doch kein Problem, und wenn schon, das interessiert gerade keinen. Wir sagen doch ständig, dass es um Leben und Tod geht. Was hat da wohl Vorrang?

Mini: Kitas auf, sofort ab Montag!

Franz: Nein, auf keinen Fall!

Mini: Auf!

Franz: Zu!

Mini: Auf!!! Johannaaa, sag doch auch mal was dazu!

Johanna: Ich sage, die bleiben zu und dabei bleibt es! Nächstes Thema. Was ist mit den Schulen?

Franz: Wir sind bei Pisa doch ohnehin immer hinten, lasst die Schulen zu, dann wissen wenigstens alle, dass das schlechte Abschneiden nicht an uns liegt.

Mini: Ich bin dafür, dass wir für die Abiturjahrgänge wieder öffnen.

Kunibert: Nein, wenn, dann lassen wir nur die Jüngsten wieder rein!

Franz: Es trifft doch ohnehin nur die unteren Schichten, da ist doch Hopfen und Malz eh verloren.

Johanna: Zum Glück bekommt unsere Diskussionen keiner mit.

Mopsi: Die Schulen brauchen aber definitiv ein Konzept.

Franz: Das schieben wir mal direkt den Schulen in die Verantwortung, die wollten das ja alle selbst regeln, dann sollen sie das jetzt auch mal machen.

Andy: Ich schlage ein Farbleitsystem vor, damit die Schüler in geregelten Bahnen laufen.

Johanna: Hast du nicht zugehört, darum kümmern wir uns nicht, das kann jede Schule selbst regeln. Schreib denen heute Abend mal eine Mail dazu.

Mini: Aber es ist Freitagabend?

Johanna: Macht doch nichts, da ist doch noch genug Zeit bis Montag, die können auch mal am Wochenende arbeiten, die hatten schließlich lange genug frei.

Franz: Die Nummer geht auf, keiner merkt was. Unsere Maßnahmen wirken zwar nicht, die Infektionszahlen gehen irgendwie von alleine zurück, also wie jedes Jahr, aber wir müssen jetzt konsequent weiter bei unserer Story bleiben. Wir müssen weiter immer und immer wieder kommunizieren, dass bei uns alles besser als im Rest der Welt gelaufen ist. Nur weil wir so konsequent waren, konnte das Schlimmste verhindert werden. Wir hängen da alle mit drin.

Experte: Wir sind einer der größten Waffenexporteure weltweit, sterben dadurch nicht mehr Menschen als durch Covid-19?

Franz: Wo hat man Dich denn ausgegraben? Warst Du auch beim Widerstand gegen die Pershing II dabei? Wenn Du Karriere machen willst, musst Du anders argumentieren.

Mopsi: Was ist, wenn das wieder losgeht und die Zahlen wieder ansteigen? Wir müssen testen, dringend und deutlich mehr. Die Zahlen gehen nur noch runter, den Trend müssen wir mit mehr Tests stoppen.

Mini: Unsere Maßnahmen haben doch eh nichts gebracht!

Johanna: Wer behauptet das?

Experte: Die Anzahl der Neuinfizierten ist doch schon gesunken, bevor unsere Maßnahmen überhaupt wirken konnten. Das braucht keiner zu behaupten, das kann jeder anhand der Zahlen nachvollziehen.

Franz: Halten Sie die Klappe, solche Diskussionen können wir definitiv nicht gebrauchen. Das ist doch bisher noch keinem wirklich aufgefallen.

Johanna: Je mehr wir uns hier kleinteilig streiten, umso weniger gucken die auf das große Ganze oder stellen die Sinnfrage (klatscht dabei vor Freude in die Hände).

Mini: Wir müssen sehen, wie wir die Wirtschaft wieder hochfahren, darum geht es jetzt.

Andy: Wir brauchen sowas wie eine Abwrackprämie.

Mopsi: Das R steigt schon wieder an, ich habe Angst, ich bin Risikogruppe!

Experte: Ist Ihnen klar, dass diese Reproduktionszahl kaum etwas aussagt? Wir können ein R größer 1 bei nur 10 Infizierten haben oder halt bei 100.000, so viele hatten wir aber nie. Wir zählen ja immer nur hoch, anstatt nur die absolut Infizierten zu betrachten.

Johanna: Jetzt hören Sie auf mit dem Papperlapapp! Das interessiert gerade keinen!

Mini: Machen wir die Grenzen nach Frankreich wieder auf?

Mopsi: Was sagt der Franzose? Macht der auch auf?

Franz: Wir machen nur auf, wenn die auch aufmachen. Sonst kommen die nachher alle zu uns in Urlaub.

Mini: Das wäre doch gut für die Wirtschaft.

Franz: Nein, das geht nicht. Wir machen nur auf, wenn die auch aufmachen.

Mini vertraulich zu ihrem Assistenten: Was hat der Bayer eigentlich heute gemacht?

Franz vertraulich zu seiner Assistentin: Wie sieht es in NRW aus? Zerlegt der Typ sich wieder selbst? Egal was der macht, wir machen es definitiv anders. Die haben noch immer nicht realisiert, dass die Zahlen bei uns in Bayern am schlechtesten sind. Das liegt an meinem staatsmännischen Auftreten.

Mopsi: Die in Vorpommern scheren wieder aus, die öffnen die Strände.

Johanna: Lass die mal in Ruhe, das läuft da anders.

Mopsi: Wir brauchen viel mehr Masken und wir müssen unsere Abhängigkeit von anderen Ländern reduzieren.

Johanna: Was geht mir dieses Gelaber über die Masken auf den Nerv, aber immer noch besser, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, als die Sinnfrage diskutieren zu müssen. Sinn macht das alles nämlich nicht.

Franz: Der will die Kneipen wieder öffnen und Sportplätze.

Johanna: Wer kommt denn auf solche Ideen?

Mopsi: Wir brauchen Masken, keine offenen Kneipen, es geht um Bevölkerungsschutz.

Hans: Die Leute gehen mittlerweile auf die Straßen.

Johanna: Wer sind die? Linke, Rechte, Verschwörungstheoretiker oder wer?

Hans: Normale Bürger.

Franz: Ok, die verstehen das alles noch immer nicht, dummes Wahl-Vieh.

Johanna: Wie reagiert die Presse? Haben die die Proteste nach oben genommen?

Hans: Nein, das steht unter ferner liefen.

Johanna: Zum Glück spielen die mit, kritische Berichterstattung kann gerade keiner gebrauchen, es geht um Leben und Tod.

Mopsi: Wie oft soll ich das noch sagen? Wir brauchen Masken und müssen dafür sorgen, dass wir nicht vom Import aus anderen Ländern abhängen.

Experte: Aber wir sind doch selbst Exportweltmeister und viele hängen von uns ab.

Franz: Ja und was bitte soll das eine mit dem anderen zu tun haben?

Experte: Gemüse ist teurer geworden, da sind wir von Importen abhängig. Sollten wir nicht lieber Gemüse und das, was wir zum Leben brauchen, bei uns herstellen. Masken sind doch nicht wirklich relevant, man kann auch ohne überleben, das wissen wir doch alle.

Johanna: Jetzt ist aber bitte mal Schluss mit der Diskutiererei, das geht mir auf den Nerv. Wir produzieren Masken hier bei uns und dazu werden wir einige Unternehmen verpflichten. Ende der Diskussion! Gemüse können Sie in Ihrem Garten anpflanzen, das kann jeder machen. Früher hatten wir auch Hühner.

Mopsi: Ich schlage vor, dass ab 35 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen die Maßnahmen wieder verschärft werden, dann müssen wir alles wieder schließen, Lockdown.

Johanna: Guter Vorschlag, besser als über die Würde des Menschen oder freiheitliche Grundrechte zu diskutieren, weiß der Kuckuck, was in den gefahren ist. Zahlen sind greifbar, damit kann jeder etwas anfangen, das gibt Orientierung.

Mini: Aber 35 sind zu wenig, 300 sind besser, wir können doch nicht alles direkt wieder einschließen.

Franz: Ich bin für 15 auf 50.000.

Mini: Das ist doch dasselbe.

Franz: Aber die in kleineren Städten verstehen das so besser.

Johanna: Ok, wir einigen uns auf 50 Neuinfizierte innerhalb einer Woche auf 100.000 Einwohner. Klingt doch durchdacht.

Franz: Wie sind meine Zustimmungswerte gerade?

Johanna: Wie dürfen eigentlich die Sitzreihen im Flugzeug belegt werden? Wer kümmert sich darum?

Die aktuellen Diskussionen rund um Corona lassen den Rückschluss zu, dass keiner mehr so genau weiß, warum die Maßnahmen überhaupt ergriffen, aus welchem Grund unsere freiheitlichen Grundrechte eingeschränkt wurden und unsere Wirtschaft mit Vollgas gegen die Wand gesteuert wird.

Der Grund für den Lockdown und alle hiermit einhergehenden Maßnahmen war nicht die angeblich hohe Gefahr für Leib und Leben und damit die Letalität des Virus. Die ist nämlich äußerst gering. Nein, die Begründung für alle Maßnahmen war, die Überlastung unseres Gesundheitssystems zu verhindern. Nur aus diesem einzigen Grund wurden all die Maßnahmen beschlossen.

Die Infizierungskurve sollte abgeflacht werden („flatten the curve“), weil von einem exponentiellen Wachstum der Neuinfektionen ausgegangen wurde. Es war zwar schon früh erkennbar, dass der Anstieg der Neuinfektionen sank und die Ausbreitung einen degressiven Verlauf nahm. Die Anzahl der Neuinfektionen ging zurück, bevor die Maßnahmen überhaupt wirken konnten, aber das darf man zurzeit nicht einmal mehr denken und schon gar nicht laut sagen, ohne dass pauschal behauptet wird, man hätte keine Ahnung. Dabei wäre es ein Leichtes, sich die Zahlen selbst einmal anzusehen, sie in ein Tabellenkalkulationsprogramm zu werfen und sich lediglich die Entwicklung im März anzusehen. Das würde reichen, um den degressiven Verlauf schnell zu erkennen – und zwar vor dem Lockdown. Aber lassen wir das alles mal beiseite.

Die ursprüngliche Begründung für den Lockdown scheint zunehmend in Vergessenheit zu geraten. Stattdessen geht es bei vor sich hin dümpelnden Zahlen sehr kleinteilig um ein paar Quadratmeter Verkaufsfläche mehr oder weniger oder die Öffnung von Spielplätzen, Kitas und die Laufwege in Schulen. Und es wird diskutiert, ob die Wiedergenesenen nicht Vorteile bekommen sollten, wobei man das mit Hilfe einer App organisieren möchte. Das ist super, so weiß jeder, bei wem er sich schnell anstecken kann, um ebenfalls die Vorteile eines Wiedergenesenen zu erhalten. So eine App könnten wir auch für Kids mit Kopfläusen einführen, Kopfläuse sind ebenfalls doof und schneller zu sehen als so ein Virus. Dann kann jedes Kind auf der App sehen, wer in der Klasse oder Gruppe die Läuse gerade hat und diese Kids meiden dann alle. Das wäre doch super! Es gibt bestimmt noch zahlreiche weitere Einsatzmöglichkeiten, bei einer Virusgrippe sollte das ohnehin ab sofort selbstverständlich sein.

Aber zurück zum Ausgangspunkt: Das Gesundheitssystem ist nicht kollabiert und es war, sofern man den Informationen unserer Presse und Politiker vertrauen kann, auch nie kurz vor einem Kollaps, was, wie dargelegt, nicht an den Maßnahmen lag. Aber von mir aus tun wir so, als hätte es daran gelegen.

Es besteht bei unseren Top-Experten weitestgehend Einigkeit dahingehend, dass eine zweite oder dritte Welle droht. Was ist eigentlich in den letzten Wochen passiert, um das Gesundheitssystem so auszubauen, dass es eine zweite oder dritte Welle überstehen würde? Welche Pläne gibt es diesbezüglich? Bis wann soll was umgesetzt werden? Mittlerweile müsste es unseren durchgreifenden Politikern doch gelungen sein, die potenziellen Engpässe in unserem Gesundheitssystem nicht nur zu beseitigen, sondern auch sicherzustellen, dass wir eine ausreichende Notfallreserve für die weiteren Wellen haben und ein erneuter Lockdown nicht erforderlich sein wird. Wie weit sind wir damit eigentlich?

Oder ist da etwa rein gar nichts passiert, weil wir ja jetzt eine Zahl festgelegt haben, ab der wir alles wieder runterfahren können. Und mit so einer schönen Zahl können wir das Gesundheitssystem doch im Prinzip genauso belassen, wie es zurzeit ist. Unter dem Strich hat doch alles wunderbar funktioniert. Guts Nächtle!

Von: Jürgen Fischer -