Gesundheit

Immer mehr Stress und ein paar Stresstipps

Written by Jürgen Fischer. Posted in Gesundheit

Immer wieder liest und hört man, dass dieser ewige Stress uns alle fertig macht. Es wird alles immer nur noch stressiger, das Ungeheuer Stress wächst stetig und uns über den Kopf. Ordentlich wie wir in Deutschland sind, machen wir natürlich nicht nur einen Stressreport, mittlerweile gibt es zahlreiche Institutionen, die ihren eigenen Stressreport auf den Markt und in die Schlagzeilen bringen. Selbstverständlich analysieren wir die psychischen Gefährdungen am Arbeitsplatz, obwohl die psychischen Gefährdungen in privaten Beziehungen weitaus größer sind. Aber zurück zum Beruflichen: permanenter Zeitdruck, man wird mit Informationen von allen Seiten zugeschüttet, die Arbeitslast wird größer und größer, die neu erfundene Arbeitsdichte ebenfalls, alle wollen etwas von einem, stetiger Druck – es ist nicht mehr auszuhalten. Wo soll das noch enden?

Dann lese ich die Überschrift eines Artikels in der Welt Online: „Stress macht glücklich und verlängert das Leben“. Ein gewisser Herr Urs Willmann propagiert in seinem Buch „Stress – ein Lebensmittel“, dass Stress die „Würze des Alltags“ sei und uns „gesund, glücklich und stark“ machen würde, „er verlängert das Leben“ behauptet dieser Herr.

Der scheint komplett dem Wahnsinn verfallen, in dem Artikel steht doch in der Tat der Satz: „Die Arbeit per se macht noch keinen Stress.“ Ja wenn der wüsste, was hier bei uns im Büro jeden Tag los ist. Vermutlich hat der noch nie gearbeitet, sondern sitzt entspannt zu Hause und schreibt derartigen Blödsinn, werden alle Stressgeplagten wohl denken.

Dieser Willmann kommt zu der Erkenntnis, dass Arbeitslose gestresster als Manager sind: „Wer keine Arbeit hat, kann aus Geldnot und wegen der sozialen Isolierung unter permanentem Stress leiden“. Ist der denn völlig verrückt?

Nein, ist er nicht. Er differenziert völlig zu Recht zwischen gesundem und kurzfristigem und dem permanenten und daher ungesunden Stress. Ersterer sei gut, letzterer doof, weil er uns krank macht.

Kurzfristiger Stress – wir können es gerne auch Aufregung nennen – führt zu physischen Reaktionen. Unser Körper schüttet Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Kortisol und vermutlich noch diverse andere Sachen aus, die wir heute noch nicht kennen. Wir kommen in Wallung, das Immunsystem wird angetrieben, das Gehirn kann besser Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden, unsere Reaktionsgeschwindigkeit steigt, wir können Höchstleistungen erbringen und der Adrenalinkick „macht uns angeblich sogar zu sozialeren Wesen“. Es gibt ihn, den positiven Stress, und wir brauchen ihn.

Erst wenn der Mensch gar nicht mehr zur Ruhe kommt und der Stress chronisch wird, wirkt das Kortisol negativ auf unser Immunsystem und verringert kognitive Leistungen. Lediglich dauerhafter Stress ist schädlich und häufig sehen die Betroffenen keinen Ausweg aus der Stressfalle, wie sie dann häufig genannt wird.

Zunächst einmal sollten wir also dankbar sein, für den stressigen Chef, für die nervenden Kollegen, die sich beschwerenden und sich zuweilen unmöglich benehmenden Kunden und für diesen Zeit- und Termindruck. Gäbe es das alles nicht, würde uns ein wichtiges Lebenselixier fehlen.

Und wenn es chronisch wird, was dann? Dafür gibt es viele Tipps, nicht alle wirken.

Der rationale Tipp: Sie können versuchen, rational an die Sache heranzugehen, was bei einer irrationalen Sache wie Stress natürlich ein toller Tipp ist. Aber wie heißt es so schön, Probieren geht über Studieren. Machen Sie sich bewusst, wer den Stress verursacht. Die meisten Menschen sind der Auffassung bzw. der felsenfesten Überzeugung, dass andere oder die Umstände und die immer schlimmer werdenden Rahmenbedingungen den Stress verursachen. Das ist allerdings Blödsinn. Stress kann man sich nur selbst machen, er wird nicht gemacht. Wenn ihr Chef von Ihnen Unmögliches fordert, könnten Sie völlig gelassen bleiben, ihn milde anlächeln oder gar lauthals loslachen, Sie könnten sich auf ein Bein stellen und anfangen zu hüpfen, Sie könnten ihrem Chef ein Küsschen auf die Wange geben und ihm sagen, „Ich habe Sie auch lieb!“, Sie könnten ihrem Chef sagen, dass er das sicherlich selber machen könne, wenn auch vielleicht nicht so gut wie Sie, Sie könnten eventuell sogar das Arbeiten komplett einstellen oder aber Sie können in Stress verfallen. Sicherlich werden einige Leser denken, das geht alles nicht, das sind irrsinnige Vorschläge. Macht nichts, dann denken Sie halt selber nach und versuchen Sie etwas anderes. Fakt ist: Stress ist eine alternative Reaktion und es gibt andere. Sie sind der Architekt Ihrer Gedanken und Sie entscheiden, was Sie tun und was nicht. Die völlig Gestressten haben sich in der Regel von eigenverantwortlichem Handeln verabschiedet und auch ihre Gedanken werden fremdgesteuert. Versuchen Sie also einfach einmal etwas anderes, etwas Ungewöhnliches.

Der „Nein!“-Tipp: Sie könnten es ganz einfach einmal mit einem „Nein!“ probieren. Dieses Wort ist gar nicht so schwer auszusprechen.

Ein entspannter Tipp: Machen Sie „Om!“, wie auch immer Ihr persönliches „Om!“ aussehen mag. Setzen Sie sich auf eine Wiese und machen Sie für ein paar Stunden nichts. Achtung, das kann sehr stressig sein, nicht nur für Pokemon-Jäger. Oder lesen Sie einen Krimi, dann ist es ein entspannt spannender Tipp. Schlafen soll auch helfen. In die Sauna gehen ebenfalls.

Der Genießer-Tipp: Freunde treffen und lecker Essen gehen und das möglichst regelmäßig! Kochen entspannt auch, wenn Sie es in Ruhe und mit Muße tun.

Ein fröhlicher Tipp: Feiern hilft, jeden kleinen Erfolg, den Sie täglich erleben, und natürlich sich selbst.

Ein süßer Tipp: Schokolade, möglichst dunkle, soll auch helfen. 50 Gramm haben in einem Experiment an der Uni Bern bei Probanden in einem Stresstest zu einer vergleichsweise geringeren Kortisolausschüttung gegenüber der Testgruppe ohne Schokolade geführt.

Der sportliche Tipp (aus meiner Sicht der beste Tipp): Machen Sie Sport, Stress kommt besonders mit Ausdauersport nicht klar, da zieht dieser Stress immer den Kürzeren und verliert. Der läuft sich sozusagen raus. Thomas Wessinghage (1500 Meter in 3:31 min!!! Und Europameister über 5000 Meter 1982 in Athen) meint „Wer läuft, ist schlauer.“ (Hab‘ ich ein Glück, dass ich auch laufe. Jetzt muss ich nur noch meine Partnerin, meine Kinder und meine Mitarbeiter davon überzeugen, damit die das auch endlich einsehen.)

Das Stresstipp: Stress lässt sich auch mit Stress bekämpfen. Sie sollten aber den positiven gegen den negativen Arbeiten lassen und nicht umgekehrt. Also nach der Arbeit mal eben ein Fallschirmsprung oder am Bungee-Seil von einer Brücke runter, das wirkt. „Nach überstandenem Kick wird der Körper mit Glückgefühlen geflutet“, so Urs Willmann. Mir wäre das zu stressig, aber jedem das Seine.

Ein unvollständiger Tipp: Völlig abwegig scheint einigen der Gedanke, es mit nur 80 Prozent zu versuchen oder gar bestimmte Dinge schlichtweg liegen zu lassen bzw. nicht zu bearbeiten. Sie müssen nicht jede Mail oder Nachricht lesen und schon gar nicht vollständig.

Der Abschalttipp: Abschalten ist ebenfalls eine tolle Idee, bspw. das Handy für einen ganzen Tag oder, nahezu unfassbar, für eine noch längere Zeit. Aber Achtung: für viele bedeutet dies mittlerweile den totalen Stress. Setzen Sie sich diesem Stress ab und an ganz bewusst aus. Sie werden erkennen, Sie haben nichts verpasst, wenn Sie offline sind. Eventuell konnten Sie in dieser Zeit sogar mit einem Menschen Angesicht zu Angesicht sprechen und etwas über ihn und die Welt erfahren.

Der „Ohne mich“-Tipp: Gehen Sie einfach nicht mehr hin, auch das ist eine tolle Idee. Also zum Beispiel nicht mehr in dieses elendig langweilige Meeting, bei dem Sie jedes Mal denken, das ist einfach nur völlig verschwendete Zeit. Versuchen Sie es und freuen Sie sich auf die blöden Gesichter Ihrer Kollegen, wenn Sie Ihnen sagen, dass Sie nicht mehr teilnehmen und warum Sie nicht mehr teilnehmen.

Der Spaß-Tipp: Spaß ist ohnehin das beste Mittel. Wenn Sie in die Gefahr des Dauerstresses rutschen, ändern Sie Ihr Verhalten und machen Sie sich einen Spaß daraus, Ihre Kolleginnen und Kollegen und Ihre Vorgesetzten dabei zu beobachten, wie diese auf Ihr verändertes Verhalten reagieren. Das ist lustig, die anderen haben nämlich dann meistens das Problem und Sie nicht mehr. Denken Sie mal drüber nach!

Der letzte Tipp: Wir sollten Sie uns nicht nehmen lassen, unsere Selbstverantwortung. Handeln Sie proaktiv!

 

Von: Jürgen Fischer -