Gehabe

Ich rege mich auf!

Written by Jürgen Fischer. Posted in Gehabe

Gestern war es einmal wieder soweit. Wie fast schon üblich, kam der Flieger aus Düsseldorf, der uns von Hamburg nach Düsseldorf bringen sollte, nicht pünktlich in Hamburg an. Unser Abflug verzögerte sich, wie ebenfalls üblich, zunächst auf unbestimmte Zeit. Wer Internet hat, wusste das schon lange, weil man von den Abflugzeiten in Düsseldorf auf die voraussichtliche Verspätung ziemlich gut schließen kann. Man kann das, also nicht etwa die Bediensteten oder die Dienstleister am Flughafen, sondern der Kunde.

Am Vorabend diskutierten im Fernsehen zwei Figuren im Kanzlerduell über Außenpolitik – es gibt durchaus Naheliegenderes. Der Flughafen in Berlin wird nie fertig, die Leverkusener Brücke auch nicht, die Staukilometer auf deutschen Straßen reichen bis an den Rand unserer Galaxie und darüber hinaus, an Flughäfen klappt zunehmend weniger, Staus sind auch hier ein gewohntes Bild und die werden immer länger und nicht etwa über die Jahre hinweg kürzer, Verspätungen und Flugausfälle sind üblich, ich bekomme meine 500 EUR für zwei stornierte Flüge nicht mehr, Airberlin ist pleite, meine zigtausend Meilen und diversen Freiflüge sind auf einen Schlag weg, der Airberlin-Boss kassiert noch bis 2021 trotz der Pleite fette Kohle, die man vorher für ihn beiseite geschafft hat, mein Diesel hat auf einen Schlag ein paar tausend Euro an Wert verloren, die Autobosse kommen mit Betrug durch, die Distanzen werden immer größer und zu große Distanzen bringen Systeme zum kippen …

Ich sollte mich nicht aufregen, das machen schon andere. Als wir irgendwann endlich in den Bus einsteigen dürfen, stehen zwei echt gut aussehende, smarte Typen neben mir. Mittvierziger, der eine lange Haare zum Zopf gebunden, ein bisschen wie Rea Garvey, der andere Typ Thomas Anders, dunkelhaarig, grau meliert. Beide unterhalten sich direkt neben mir und Thomas erzählt, dass er früher im Job regelmäßig ausgeflippt wäre. Das wäre körperlich sogar anstrengend für ihn gewesen, er hätte das aber total geändert, auch mit Hilfe eines Coaches. Er wäre heute viel ruhiger und würde sachlich an die Dinge herangehen. Rea stimmt ihm zu, um sich just in demselben Moment tierisch aufzuregen. Ihm fällt auf, dass wir nun schon eine halbe Stunde im Bus stehen und nichts passiert. Er marschiert laut schimpfend durch den vollen Bus in Richtung Busfahrer und ranzt ihn an: „Können Sie mir mal sagen, worauf wir hier noch warten? Kommt Frau Merkel noch?“ Weiter fluchend und schimpfend kommt er wieder von vorne zur Busmitte zurück, allerdings nur, um sodann aus dem Bus zu springen, sich schimpfend wieder zurück in die Abflughalle zu begeben und sich die dort sitzenden Bediensteten vorzunehmen. Als er wieder zurück in den Bus kommt, sieht man ihm seine Aufregung an. Er blickt mich an, vermutlich, weil er Bestätigung sucht. Ich entgegne ihm mit einem „Ommm“, sonst nichts.

Irgendwann am Abend sind wir sogar in Düsseldorf angekommen. Die beiden stehen wieder neben mir im Bus. Rea stellt fest, dass sein Koffer ziemlich leicht ist, zu leicht. Rea macht ihn auf und konstatiert, dass sein Laptop nicht mehr da wäre, da sei alles drauf gewesen, alles. Im nächsten Moment schimpft er lautstark über die blöde Kuh am Security Check in Hamburg, die hätte ihn sowieso schon so blöd behandelt und alles kontrolliert und wegen dieser dämlichen Kuh hätte er nun wahrscheinlich seinen Laptop in Hamburg am Flughafen am Security Check liegen lassen.

Wenn der Laptop so explodiert wie sein Eigentümer, dann hat die Dame in Hamburg alles richtig gemacht – herzlichen Dank für eure gründlichen Kontrollen.

Von: Jürgen Fischer -