Gehabe

Drosten echauffiert sich

Written by Jürgen Fischer. Posted in Gehabe

Herr Drosten meint, „Man kann die Literatur und die Fachkenntnis in diesem Gebiet nicht kennen, wenn man nicht absoluter Spezialist ist.“ (siehe www.ndr.de; „Jetzt ist Alltagsverstand gefragt“ vom 12.05.2020). Dagegen ist nichts einzuwenden, außer vielleicht sprachlich, denn wer kennt schon die Fachkenntnis, die andere besitzen. Allerdings sollte sich Herr Drosten einmal hinter die Ohren schreiben, dass dies für ihn gleichermaßen gilt. Herr Drosten ist kein Statistiker, er ist Virologe. Herr Drosten ist auch kein Mathematiker, er ist Virologe. Herr Drosten ist kein Risikoforscher und Herr Drosten ist auch kein Epidemiologe. Herr Drosten ist Virologe. Somit stehen Viren im Mittelpunkt seiner Forschungen und Kenntnisse. Virologen erforschen Viren und Virusinfektionen. Dabei geht es in der Regel um monokausale Zusammenhänge, um ein Virus und seine Folgen. Epidemiologen befassen sich mit den Ursachen, der Verbreitung und den Folgen von Krankheiten und welchen Einfluss sie auf die Gesundheit der Bevölkerung haben. In dem Bereich ist Herr Drosten kein Spezialist. Auch nicht in den anderen oben genannten Disziplinen, die aber allesamt für eine Bewertung der Corona-Lage wichtig sind. Und es gibt sogar noch weitere Fachdisziplinen, wie bspw. Rechtsmediziner und Wirtschaftswissenschaftler, die ebenfalls die Lage aus ihrem Blickwinkel bewerten können.

Es ist ein Segen, dass die Welt nicht nur aus einem Blickwinkel betrachtet wird. Aber darum geht es Herrn Drosten scheinbar nicht. Seine Meinung ist richtig, alle anderen halt falsch und zwar grundsätzlich. Es ist ein Absolutheitsanspruch, der Menschen zu derartigen Äußerungen bringt. Solche Typen landen oft in Führungspositionen. Recht haben sie dadurch aber nicht.

Drosten führt weiter aus: „Das ist der einzige Grund, warum ich als Person überhaupt in der Öffentlichkeit stehe. Nicht weil ich besonders schlau bin oder weil ich besonders gut reden kann oder irgendetwas, sondern weil ich als Spezialist an genau diesen Viren arbeite.“ Da fühlt sich wohl jemand in seiner Ehre gekränkt. „Ich als Spezialist“, wow, Gratulation! Sie sind ein toller Typ. Die anderen sind auf ihren Fachgebieten keine Spezialisten und ein Fachgebiet kann nicht vom anderen lernen, zumindest scheint Herr Drosten diese Auffassung zu vertreten. Es zählt die Meinung des Virologen und die anderen haben keine Ahnung. Bei genauerer Betrachtung scheint es sich entweder um einen Minderwertigkeitskomplex oder übertriebenes Geltungsbedürfnis zu handeln, wobei es eine Korrelation zwischen beidem gibt, das können Fachleute und Spezialisten aber besser als ich erklären.

Das eigentliche Problem ist ein anderes, wobei ich schon vor Wochen darauf hingewiesen habe. Kein Krisenmanager würde sich ausschließlich auf die Meinung einer einzigen Fachabteilung verlassen. Vielmehr werden grundsätzlich andere Sichtweisen einbezogen und berücksichtigt. Außer halt in der Corona-Krise und damit fing das Desaster an.

Es ist davon auszugehen, dass Herr Drosten den degressiven Verlauf der Infektionszahlen auch schon vor Wochen erkannt hat und seitdem plärrt er rum. Erst drohte er mit Rückzug, wobei sich kein Mensch für diese Drohung interessiert hat. Jetzt will er Zensur im Internet. Scheinbar wird es zunehmend eng für ihn. Er hat sich wiederholt widersprochen und seine Prognosen sind bis dato nicht eingetreten. Selbstverständlich wird er mit der zweiten und dritten Welle recht behalten, schließlich ist das bei anderen Viren auch so und schon bald ist es wieder Herbst.

Und zum Schluss, von mir wild herausgegriffen, noch eine Drosten-Aussage (Quelle www.ndr.de): „Das ist ein Massenphänomen, das halte ich selbst auch für gefährlich. Das ist mit dafür verantwortlich, dass wir in Deutschland jetzt auch eine Zersplitterung der öffentlichen Meinung haben.“ Damit beschäftigen sich also Virologen. Der Mann hat von allem Ahnung.

Es gab schon einmal eine Zeit, in der Politiker, Ärzte und auch die Presse sich einig waren und alle, die eine andere Meinung vertraten, wurden diffamiert. Aktuell werden sie als Verschwörungstheoretiker, Rechts- oder Linksextreme oder Dummköpfe bezeichnet – von vermeintlich intelligenten Menschen. Und eventuell werden sie später im Rückblick wieder einmal sagen, sie hätten es nicht gewusst.

Von: Jürgen Fischer -