Diplomatie

Vielen Dank, liebe Holländer!

Written by Jürgen Fischer. Posted in Diplomatie

Ich wünschte mir, dass die deutsche Regierung unsere Grundwerte ähnlich konsequent vertreten würde, wie Ihr das jetzt gemacht habt. Herzlichen Dank für die konsequente Verteidigung gemeinsamer europäischer Werte!

Erdoğan droht und beleidigt, wie es ihm gefällt und dann traf er endlich auf die Falschen, auf Euch, meine lieben niederländischen Nachbarn. Zunächst drohte er Euch massiv mit wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen, falls Ihr den türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu nicht einreisen lassen würdet. Ihr habt Euch nicht drohen lassen, sondern reagiert und den Herrn nicht einreisen lassen. Das war genau die richtige Antwort – wir sollten uns weder beleidigen noch drohen lassen.

Danach polterte der türkische Präsident noch lauter, beleidigte Euch weiter und droht obendrein mit massiven Konsequenzen. Noch am Samstag schimpfte er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, die Niederlande seien „Nazi-Nachfahren“. „Sie sind so befangen, so ängstlich“. „Das sind Nachfahren der Nazis, das sind Faschisten.“

Das war ziemlich blöde von ihm, denn dadurch veranlasste er Euch, auch die türkische Familienministerin wieder nach Hause zu schicken. Die versuchte es nämlich mit dem Auto. Nachdem Sie Euch offenkundig nicht verstehen wollte, obwohl Ihr es ihr ausführlich erklärt habt, habt Ihr, liebe Niederländer, die Dame freundlich und nett wie Ihr seid, wieder zurück zur Grenze nach Venlo geleitet.

Währenddessen durftet Ihr Euch weiter aus Ankara beleidigen und bedrohen lassen. Der Sprecher von Staatspräsident Erdoğan, Ibrahim Kalin, twitterte: „Schande über die niederländische Regierung“. Er sprach von „anti-islamischen Rassisten und Faschisten“ und erkennt einen „schwarzen Tag für die Demokratie in Europa“. Erdoğan meint: „Hey Holland, wenn Ihr die türkisch-niederländischen Beziehungen vor den Wahlen am Mittwoch opfert, werdet Ihr den Preis dafür bezahlen.“ Die Türkei habe noch nicht das getan, was nötig sei. Zudem forderte er Sanktionen internationaler Organisationen gegen die Niederlande und wirft den Niederlanden obendrein vor, sich wie eine Bananenrepublik zu verhalten. Mevlüt Cavusoglu bezeichnet die Niederlande als „Hauptstadt des Faschismus“.

Diesen Schreihälsen möchte ich indes zurufen, einerseits ein wenig mehr Benimm und Anstand an den Tag zu legen. Euer Verhalten ist schlicht eine einzige Peinlichkeit und Ihr beleidigt mit Eurem Verhalten Euer Volk, was sich ansonsten durchaus zu benehmen weiß. Andererseits sollte man sich zunächst einmal selbst mit der türkischen Verfassung auseinander setzen und wenn man die Inhalte dann verstanden hat, erst einmal inne und die Klappe halten: In Artikel 49A der türkischen Verfassung heißt es: „Im Ausland und in Auslandsvertretungen darf keine Wahlpropaganda gemacht werden.“ Und was von den Veranstaltungen, auf denen Ihr die freie europäische Presse zugelassen habt, zu sehen war, war zumindest in Teilen definitiv Wahlpropaganda. Also bitte, Klappe halten und bei sich selbst anfangen.

Erdoğan drohte auch noch damit, niederländische Regierungsvertreter künftig nicht mehr ins Land zu lassen: „Dann lasst uns mal sehen, wie eure Flugzeuge in Zukunft in die Türkei kommen.“ Er ergänzte wohl, dass er natürlich Diplomaten meine und keine Zivilisten. Wenn er sich damit nicht ein weiteres Mal ins eigene Knie geschossen hat. Wie ich die stolzen niederländischen Bürger kenne, nehmen sie dies persönlich. Die meisten Holländer brauchen kein Flugzeug, die können Ihr Häuschen hinten an den Wagen hängen und werden damit überall dort hinfahren, wo sie denn hin möchten. Die Türkei kommt bei vielen nicht mehr als Reiseziel in Frage. Wie schon erwähnt, ich habe meinen Urlaub in Griechenland schon gebucht.

Abschließend sei noch erwähnt, dass Erdoğan der Niederlande Unterricht erteilen möchte: „Sie werden … lernen, was Diplomatie ist. Wir werden ihnen internationale Diplomatie beibringen“. Erdoğan hat schon gelernt, dass Diplomatie ihre Grenzen hat und es irgendwann schlichtweg reicht. Also nochmal: Besser einfach mal die Klappe halten!

PS: Wenn Ihr es in den Niederlanden jetzt noch schafft, diesen wilden Rechten Geert Wilders nicht zu wählen, würde meine Achtung für Euch noch mehr steigen.

Von: Jürgen Fischer -