Denkfehler

So benimmt sich kein vernünftiger Mensch (20)

Written by Jürgen Fischer. Posted in Denkfehler

Der achtzehnte Denkfehler im Büchlein über 52 Denkfehler von Herrn Dobelli nennt sich „Die Tragik der Allmende“ und im Untertitel steht „Warum vernünftige Menschen nicht an die Vernunft appellieren“.

Die erste Überschrift findet sich im gleichen Wortlaut übrigens auch auf wikipedia, wer hat hier wohl von wem abgeschrieben? Allmende bedeutet Gemeindegut bzw. gemeinschaftliches Eigentum, also beispielsweise ein Weideland, das mehreren Bauern gehört und dessen Nutzung den einzelnen Bauern dementsprechend nichts kostet. Die Theorie: Jeder Bauer versucht seinen Nutzen zu maximieren und schickt so viele Kühe wie möglich auf die Weide. Irgendwann sind es zu viele Kühe. Trotzdem überlegt jeder Bauer, ob er noch eine weitere Kuh auf die Weide schicken soll, sie bringt ihm nämlich einen zusätzlichen Nutzen und der Nachteil einer weiteren Überweidung geht schließlich zu Lasten aller Bauern. Also wird die zusätzliche Kuh auf die Weide gejagt, und so macht es jeder einzelne Landwirt bis das System kollabiert.

In der wirtschaftswissenschaftlichen Theorie wird vom so genannten „moral hazard“, also dem moralischen Risiko oder auch der Rationalitätsfalle gesprochen. Die Rationalitätsfalle schnappt zu, wenn der Einzelne nicht für die negativen Folgen seines Handelns selbst einstehen muss, weil diese von einer der Allgemeinheit oder zumindest einem Kollektiv übernommen werden. Das durchaus vorhandene individuelle Risiko wird sozialisiert und auf die Gemeinschaft übertragen.

Die Wirtschaftswissenschaften sprechen von Allgemeingütern oder Kollektivgütern und meinen Güter, die allen Nachfragern frei zugänglich sind. Das Problem mit diesen Allgemeingütern liegt darin, dass die vollkommen freie Nutzung über die Zeit zu einer Übernutzung führt, Überfischung, Ausrottung von Tieren, Luftverschmutzung usw.

Der Denkfehlertheoretiker sieht zwei Lösungsansätze: „Privatisierung oder Management“. Die Tragik der Allmende ließe sich auf den ersten Blick durch Privatisierung des Weidelandes schnell und einfach lösen. Jeder bekäme seine Parzelle und schon würde jeder darauf achten, dass es auf seiner Parzelle nicht zu einer Überweidung kommen würde. Aber wie sieht die langfristige Perspektive aus. Die Weltbevölkerung wächst, in das Dorf ziehen zunehmend Menschen aus anderen Nationen, die Anzahl an Bauern verdoppelt, verdreifacht, ver-x-facht sich. Und dann hat irgendwann jeder eine Parzelle, die für eine halbe Kuh ausreicht, die andere Hälfte steht beim Nachbarn. Auf Dauer wird die Lösung „Privatisierung“ nicht greifen.

Deshalb sehen Wirtschaftswissenschaftler – also diese Gruppe der ca. eine Million Vollversager, wie sie gleich an mehreren Stellen in dem Büchlein von Herrn Dobelli dargestellt werden – einen anderen Lösungsweg, nämlich unter anderem in der Festlegung von staatlich kontrollierten Verfügungsrechten oder der Regulierung durch bspw. Fangquoten oder mit Hilfe von Emissionsrechten.

Darüber hinaus scheint ein anderer Blickwinkel hilfreich. Das grundlegende Problem liegt darin, dass die Kosten und die negativen Konsequenzen individuellen Handelns bei Kollektivgütern sozialisiert, also auf ein Kollektiv übertragen werden können. Genau hier muss angesetzt werden, denn diese negativen Konsequenzen gilt es zu individualisieren und auf das Individuum zu übertragen. Wichtig ist dabei, dass die negative Wirkung schnell und deutlich beim Individuum ankommt und nicht erst bei nachfolgenden Generationen.

Würden bspw. die heutigen und künftigen Umweltkosten des Braunkohletagebaus sowie von Kohlekraftwerken auf die Erzeuger und die Verbraucher direkt übertragen, würden wir schon lange nicht mehr weiterbuddeln, sondern hätten diesen Quatsch beendet. Stattdessen fördern wir derartigen Unsinn.

Fazit: Die Dinosaurier sind nach meiner ganz persönlichen Einschätzung nicht an einem Meteoriteneinschlag gestorben – das ist völlig unlogisch, alle auf einen Schlag weg, aber der Rest der Tierwelt hat überlebt? Ich stelle die These in den Raum, dass sich die Dinosaurier selber jegliche Nahrungsgrundlage bis zum völligen Kollaps genommen haben. Einige waren riesengroß und allmächtig und dann waren sie urplötzlich weg, alle. Danach kamen wir Menschen und die anderen heute auf der Welt lebenden Arten. Vielleicht sind wir die nächsten Dinosaurier, einige von uns sind riesengroß und allmächtig und wir rauben uns mit und mit unsere Lebensgrundlage und dann, irgendwann, sind wir urplötzlich alle weg.

So benimmt sich kein vernünftiger Mensch, sollte man meinen. Nur fehlt dem Menschen offenkundig die Vernunft.

Von: Jürgen Fischer -