Bildung Statistikkritik Volksverdummung

Fallzahlen steigen an, die Testzahlen steigen deutlich stärker an

Written by Jürgen Fischer. Posted in Bildung, Statistikkritik, Volksverdummung

Selber rechnen hilft: In Kalenderwoche (KW) 21 wurden 353.467 Menschen getestet, in KW 32 waren es laut Lagebericht des RKI vom 12.08.2020 insgesamt 672.171. Die Zahl war aber nicht richtig, denn im Lagebericht des RKI vom 19.08.2020 werden für die KW 32 nun 730.300 Tests ausgewiesen (siehe hier Seite 12).

In KW 33 sind es nun sage und schreibe 875.524 Tests, die durchgeführt wurden. Da noch nicht alle Tests gemeldet wurden, dürfte die Zahl vermutlich noch höher liegen. In KW 31 waren es 578.099. Insofern sind es nun knapp 300.000 Tests mehr, die pro Woche durchgeführt werden. Schließlich brauchen die Eingriffe in unsere persönlichen Freiheiten eine Rechtfertigung.

Allerdings klappt das mit der Rechtfertigung nicht.

Denn der Anstieg der Fallzahlen rechtfertigt die Aufrechterhaltung und teilweise sogar Ausweitung einschränkender Maßnahmen nicht, wie die nachfolgende Tabelle verdeutlicht (alle Zahlen sind dem o.g. Bericht des RKI entnommen).

KWAnzahl TestsAnzahl positivAnteil positiv
KW 21353.46752181,48
KW 33875.52484070,96

In KW 33 wurden also 2,5 mal so viele Tests wie in KW 21 durchgeführt. Ich habe die Zahlen vor KW 21 außer Betracht gelassen, weil die Positivenrate (Anteil der positiv getesteten Personen in Bezug zur Anzahl der durchgeführten Tests) in den Vorwochen weitaus höher war und zum Teil bei 9% lag. Seit KW 21 schwankt die Positivenrate zwischen 1,5% und 0,6% (Betrachtung nach Kalenderwochen), in den letzten drei Wochen ist sie relativ konstant (0,97; 0,99; 0,98).

Laut RKI sind die ansteigenden Fallzahlen angeblich mit dem Anstieg der Tests alleine nicht zu erklären. Da hat das RKI sogar in zweierlei Hinsicht recht. Denn einerseits müssten die Fallzahlen aufgrund der deutlichen Steigerung bei den Testzahlen viel höher sein. Andererseits kommt ein weiterer Effekt hinzu. Die Verbreitung von Covid-19 unter jüngeren Menschen dürfte erheblich höher als unter alten Menschen sein. Jüngere Menschen haben deutlich mehr Kontakte zu anderen Menschen als ältere und sie bewegen sich mehr, sie kommen mehr herum. Zu Beginn haben wir in Deutschland fast ausschließlich die älteren und besonders gefährdeten Menschen getestet. Nun werden mehr jüngere Menschen bzw. eine breitere Stichprobe getestet. Insofern nehmen die Fallzahlen auch deswegen zu, weil das Durchschnittsalter der getesteten Menschen sinkt. Natürlich ist das nur eine Hypothese und ich bin kein Virologe. Allerdings ist es eine sehr logische Hypothese und die Wahrscheinlichkeit, dass sie zutrifft, dürfte sehr hoch sein.

Aber das ist eigentlich auch egal, denn der Anteil positiv getesteter Menschen ist bei der deutlich erhöhten Testzahl gesunken. Bei einem Anstieg der Tests um das 2,5-fache und gleichbleibender Verbreitung von Covid-19 hätte die Anzahl positiv getesteter Personen in KW 33 bei ca. 13.000 Menschen (5218 mal 2,5) liegen müssen. Es waren aber nur 8407. Oder mit anderen Worten: Die Fallzahlen nehmen zu, die Verbreitung von Covid-19 nimmt signifikant ab.

Einige „Fachleute“ behaupten, der Anstieg der Fallzahlen stünde in keinem Zusammenhang mit dem Anstieg der Testzahlen. Dass „Fachleute“ solche Aussagen tätigen, ist aus meiner Sicht nicht das Problem. Sie legen damit nur offen, wovon sie keine Ahnung haben. Das eigentliche Problem liegt darin, dass zu viele Menschen diesen Unsinn glauben. Und wenn der Glaube regiert, hat das Recht verloren.

Von: Jürgen Fischer -